20. Tuska Open Air Metal Festival (02.07.2017, Helsinki, Suvilahti) – Tag 3

20. Tuska Open Air Metal Festival (02.07.2017, Helsinki, Suvilahti) – Tag 3

Am dritten Tuska-Festivaltag wurden die Künstler und Besucher mit schönstem Sonnenschein verwöhnt – da lohnte sich auf jeden Fall die Sonnencreme, die es mitunter im mobilen Alepa-Store zu kaufen gab. Diesmal öffnete das Gelände seine Pforten eine Stunde später – sprich um 14 Uhr. Am Merchstand dürften zu jenem Zeitpunkt die meisten Shirts schon verkauft gewesen sein. Aber die Tuska-Besucher konnten sich natürlich auch noch mit CDs und diversen Accessoires eindecken. Wer über das Gelände schlenderte, konnte auch immer wieder bekannte finnische Musiker in der Zuschauermenge entdecken, die bisweilen privat vor Ort waren: z.B. Niko Kalliojärvi (Humavoid, Amoral), Juska Salminen (ex-HIM), Aksu Hanttu (u.a. Entwine), Antti Hyyrynen (Stam1na), Roope Latvala (Stone) und Jaska Raatikainen (Children Of Bodom).

Und wie schon an den Tagen zuvor wurden die Festivalbesucher mit dem „Tuska20 – The Anniversary Song“ und dem dazugehörigen Musikvideo, das über die Leinwände an der Hauptbühne abgespielt wurde, auf den letzten Tuska-Tag eingestimmt. Die Moderation übernahmen – wie auch schon an den beiden vorangegangen Tagen – Heta Hyttinen von Ginger Vine Management & PR sowie Jone Nikula, bekannt aus dem finnischen Fernsehen und Radio. Sie durften zuerst Where’s My Bible ankündigen, die ihren Slot als Opener im Rahmen eines kleinen Bandwettbewerbs in der Bar Loose in Helsinki gewonnen hatten. Die Herren aus Heinola machten ordentlich Dampf auf der Bühne. Etwas progressiver ging es zur gleichen Zeit auf der Inferno Stage  zu, denn hier performte das Trio Amendfoil aus Tampere. Deutlich mehr Publikum zogen jedoch Battle Beast auf der Tent Stage an. „Hyvää Päivää, Tuska!“, begrüßte Rockröhre Noora die Zuschauer. Die blonde Sängerin hatte sich in kurze schwarze Shorts und Netzstrumpfhose geschmissen und turnte immer wieder – von Nebelfontänen umzingelt – auf den Podesten am Bühnenrand herum. Mit ihren eingängigen Songs wie „Bringer Of Pain“, „Familiar Hell“ und „Black Ninja“ hatten Battle Beast das Publikum schnell auf ihrer Seite.

Auf der Inferno Stage überraschten The Raven Age auch mit recht eingängigen Metal-Stampfern, die die Zuschauer ordentlich in Bewegung versetzten. Für die Briten stellte der Tuska-Auftritt die letzte Festivalshow für dieses Jahr dar – der Frontmann machte allerdings darauf aufmerksam, dass man die Band später noch auf dem Festivalgelände zu einem gemeinsamen Drink abfangen könne. Oder man gesellte sich zu den Metal-Heads vor der Hauptbühne, um den Auftritt von Heavy-Metal-Sänger Udo Dirkschneider und seinen Mitmusikern zu verfolgen. Mit seiner Reibeisenstimme performte Dirkschneider diverse Accept-Songs wie „Princess Of The Dawn“, „Restless And Wild“, „Metal Heart“ sowie „Balls To The Wall“.

Die Rock-Band Jimsonweed betrat um Punkt 16:25 Uhr die kleine Indoor-Bühne, die fast schon in Nebelschwaden versank. Zur Abwechslung mal kein Gegrunze, sondern klarer, bisweilen recht hoher Gesang. Die Zuschauer klatschten hier von ganz allein. Dass zwischendurch kurz der Bass ausfiel, störte niemanden – gekonnt wurde das technische Problem mit einem Gitarrensolo überspielt. Zur gleichen Zeit rockten Baroness aus Georgien eine Stunde lang auf der Tent Stage. Rein instrumental ging es anschließend auf der Hauptbühne weiter. Hier hatten sich Apocalyptica angekündigt und präsentierten in ursprünglicher Besetzung – mit Antero Manninen – ihr Album „Plays Metallica By Four Cellos“. Die ersten Töne kamen wirklich nur von den Saiteninstrumenten, doch irgendwann stieß auch Drummer Mikko Sirén hinzu und begleitete die Metallica-Songs auf dem Schlagzeug. Den Gesang übernahm bisweilen das Publikum – so etwa bei „For Whom The Bell Tolls“, „Nothing Else Matters“ und „Seek & Destroy“. Ob Oranssi Pazuzu, die zur gleichen Zeit indoor spielten, da mithalten konnten?

Letzte Band auf der Zeltbühne: Sonata Arctica. Die finnischen Power-Metaller haben jüngst ihr neues Studio-Album „The Ninth Hour“ veröffentlicht, aus dem sie natürlich einige Songs präsentierten. Aber auch der Ohrwurm „The Wolves Die Young“ vom Vorgängeralbum kam nicht zu kurz. Sänger Tony Kakko, dessen Mikrofonständer in unterschiedlichen Farben aufleuchtete, richtete zwischendurch immer wieder das Wort an die Menge, doch leider nur in seiner Landessprache, obgleich mittlerweile auch viele Fans aus dem Ausland anreisen, um das Tuska zu besuchen. Wie auch schon Sabaton oder Amorphis gab es auch bei Sonata Arctica diverse Pyroeffekte, wobei manche Kracher so laut waren, dass selbst die Musiker vor Schreck zusammenzuckten. Zwischendurch wurden plötzlich aus dem Bühnengraben EMP-Bälle in die Menge geworfen, die daraufhin über die Köpfe der Zuschauer hinwegtanzten. Ein schönes Bild!

Nicht zuletzt waren auch noch Mastodon an der Reihe und erfreuten die Tuska-Fans mit komplexen Gitarrenriffs und anspruchsvollen Rhythmusvariationen. Die Sonne lachte immer noch vom Himmel und trieb den Musikern schnell den Schweiß in ihre Gesichter. Die Lichtshow hatte aufgrund der Helligkeit natürlich keine so große Wirkung, doch die Musik kam gut bei den Zuschauern an und sie ließen mit der US-amerikanischen Metal-Band ihr Tuska-Wochenende recht entspannt ausklingen.

Text: Lea Sommerhäuser
Fotos:
© Tuska / Jesse Kämäräinen

www.tuska-festival.fi

9 Juli 2017

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