21. Tuska Open Air Metal Festival (29.06.-01.07.2018, Helsinki, Suvilahti) – Tag 3

21. Tuska Open Air Metal Festival (29.06.-01.07.2018, Helsinki, Suvilahti) – Tag 3

www.tuska-festival.fiAm dritten und damit letzten Festivaltag durften die Tuska-Besucher erst ab 14:00 Uhr auf das Gelände. Diesmal erwartete sie Sonne pur und elf Acts sorgten für die musikalische Unterhaltung – mit dabei u.a. Ihsahn, Europe, Clutch und die Headliner Parkway Drive aus Australien.

Sonntag, 01.07.2018:

Der späte Start kam sicherlich jenen Feierwütigen gelegen, die an den beiden Vortagen noch bis spät in die Nacht die After-Show-Parties unsicher gemacht hatten. Schließlich ging es nach den Festivalshows immer ab Mitternacht in diversen städtischen Clubs wie Virgin Oil, On The Rocks und Tavastia mit metallischen Konzerten weiter. Kein Wunder, dass auf dem Festivalgelände viel Kaffee konsumiert wurde. Leitungswasser gab es an diversen Stellen kostenlos zu zapfen, für Bier musste man mehrere Euros auf den Tisch legen. Und auch an den Fressbuden war es arg teuer. Egal ob Falafel, Crêpe, indische Reispfanne oder Burger: Einen Zehner war man pro Essen mindestens los. Und wenn man nicht aufpasste, wurde man auch noch von frechen Möwen überfallen und hatte am Ende viel Geld für nix ausgegeben.

Doch zurück zu den musikalischen Ergüssen des Tuska Open Airs: Den Anfang am dritten Festivaltag machte Temple Balls, eine Hard-Rock-Band aus dem finnischen Oulu, bei der alle fünf Musiker blonde Locken trugen. Und sie hatten mindestens einen bekannten Zuschauer: Ben Varon von Oceanhoarse – einst aktiv als Gitarrist und Songwriter von Amoral. Mit erstgenannter Band hatte er in diesem Jahr einen Auftritt bei den Tuska-After-Show-Parties im Stadtzentrum.

Death’n’Sludge aus Finnland gab es ab 14:25 Uhr von Black Royal auf die Ohren. Das waren nicht ganz so fröhliche Klänge, mit denen das bärtige Quintett den Inferno-Saal beschallte. Da tummelte sich die Mehrzahl an Festivalbesuchern lieber weiter draußen in der warmen Sonne. Immerhin klappte das schon – zu so „früher“ Stunde – mit den erhobenen Fäusten und „Hei hei hei“-Rufen vor der Bühne…

Noch deutlich aktiver zeigte sich das Publikum von Stick To Your Guns – kein Wunder, denn die US-amerikanische Hardcore-Band hielt selbst keine Sekunde still auf der Helsinki Stage und pfefferte „Nobody“ und „Such Pain“ der Meute entgegen. Aus dieser schälten sich alsbald ein paar Jungs hervor, die mit bis zu den Knien hochgezogenen weißen Tennissocken wild durcheinander sprangen und jede Menge Staub aufwirbelten. „It’s good to see you“, grinste der Sänger in Tarnhose. Erstaunlich, wie fit er und seine Mitmusiker waren – schließlich hatten sie innerhalb von 24 Stunden drei Shows zu spielen und nach eigenen Aussagen nur eine Stunde Schlaf gehabt. Respekt!

Blind Channel wurden danach auf der Indoor-Bühne wie Popstars empfangen – von einer kreischenden Fangemeinde. Allein schon das machte neugierig auf die fünf jungen Herren, die ganz in Weiß die Bühne betraten. „Violent Pop“ nennen sie ihren Musikstil – und der war stellenweise tatsächlich „poppig-rabiat“, wenn auch zum Teil ein wenig breiig (je nachdem, an welcher Stelle man im Saal stand). Das Publikum schien das nicht zu stören; Songs wie „Trigger“, „Alone Against All“ oder „Sharks Love Blood“ wurden lautstark mitgesungen. Und als Blind Channel mit ihren beiden Sängern alle dazu aufforderten, in die Hocke zu gehen, um kurz darauf gemeinsam wieder aufzuspringen und im Takt der Musik zu hüpfen, wurde der Aufforderung brav Folge geleistet. Mit ihrem druckvollen Pop-Metal – inklusive weniger Rap-Parts – hat die Band übrigens schon den einen oder anderen Musikcontest gewonnen und durfte gar auf dem Wacken Open Air auftreten.

Ihren einstündigen Slot auf der Hauptbühne nutzen Timo Rautiainen & Trio Niskalaukaus, um dem Publikum zeitlose finnische Heavy-Rock-Songs mit cleanem Gesang darzubieten. Die Zuschauer gaben sich etwas steif – aber auf der Bühne passierte letztlich auch nichts Weltbewegendes. Timo stellte zwischendurch die Band vor und die Zuschauer mussten regelrecht dazu aufgefordert werden, die Fäuste zu erheben, als auch mal ein paar Growls eingebracht wurden.

Ein rein instrumentales Set präsentierten Bassist Lauri Porra und das Flyover Ensemble – bestehend aus Schlagzeuger, Synthesizer-Mann, Gitarrist und einem Blasinstrument-Spieler, der zusätzlich auch noch ein zweites kleines Drumset bediente. Die Klänge gestalteten sich überwiegend rockig, bisweilen auch ein wenig metallischer und generell sehr experimentell. Experimentell schien auch das Outfit von Lauri zu sein: Mit Schlaghose und seinem bunten Fleddershirt sah er ein wenig wie ein Hippie aus. Das Publikum schaute gebannt zu, was das Ensemble da fabrizierte, hier und da wurde mit dem Kopf gewippt.

Um 16:30 Uhr hatte der Emperor-Frontmann seinen zweiten Tuska-Auftritt – diesmal mit dem Soloprojekt Ihsahn, bei dem er ebenfalls singt – eine Mischung aus gutturalem und cleanem Gesang – und Gitarre spielt. Mit von der Partie: das schwerere „Sámr“, „Until I Too Dissolve“ und das schwarzmetallische „Mass Darkness“ mit seinen flotteren Beats. „We travel around the world, but in the end ‚My Heart Is Of The North‘“, kündigte Ihsahn einen weiteren Track an, der den Tuska-Fans und generell Finnland gewidmet wurde.

Den Auftritt von Europe wollte sich wohl kaum jemand entgehen lassen, verbirgt sich dahinter doch jene schwedische Hard-Rock-Band, die mit „The Final Countdown“ 1986 ihren bis dato größten Hit veröffentlichte, den so ziemlich jeder musikaffine Mensch kennen dürfte. Aber Joey Tempest und seine Mitstreiter haben natürlich auch noch viele andere Songs mit eingängigen Refrains auf Lager, die sie auf dem Tuska zum Besten gaben: das mit Gitarrensolo untermalte „Walk The Earth“, die Mitsing-Nummer „Rock The Night“, das wüste „Scream Of Anger“ oder auch das schwerere „Last Look At Eden“ mit orchestralem Intro.

Für seine finnischen Bemerkungen, die er immer wieder einwarf, erhielt Joey einige Lacher. Das Publikum war derart gut vom Geschehen auf der Bühne abgelenkt, dass Alexi Laiho (Children Of Bodom) und Olli Herman (Reckless Love) ungestört an der feiernden Menge in Richtung Backstage vorbeimarschieren konnten, ohne von Fans aufgehalten zu werden. Aber die Finnen sind da eh etwas zurückhaltender. Als Höhepunkt präsentierten Europe schließlich ihren – wie eingangs erwähnt – größten Hit: „The Final Countdown“, der wahrlich schön mitgegrölt wurde.

Einen ebenso positiven Zuspruch erhielten Clutch, die zeitig anmoderiert wurden, aber wirklich erst Punkt 18:35 Uhr – so wie es der Plan vorsah – die Helsinki-Bühne betraten. Ihr Musikstil? Handfester (Stoner-)Rock. Im September soll es ein neues Album namens „Book Of Bad Decisions“ von dem Quartett aus Maryland geben; einen kleinen Vorgeschmack hielten die Herren fürs Tuska bereit.

Noch während Clutch ihre letzten Songs darboten, versammelten sich schon die Fans von Parkway Drive vor der Hauptbühne und sehnten sich dem Auftritt der Headliner des letzten Festivaltages entgegen. Allein die Aufbauten auf der Radio Rock Stage ließen Großartiges erahnen. Punkt 19:40 Uhr war es schließlich soweit: Die australische Hardcore-Band stürmte das Tuska und hinterließ eine Spur der Verwüstung. So wurde auf der Bühne jede Menge Pyro verfeuert und in der Zuschauermenge reihte sich ein Circle Pit an den nächsten. Kein Wunder, bei der Wucht der Songs wie „The Void“, „Karma“ und „Destroyer“. „We played this festival one time before“, erinnerte sich Frontmann und Sänger Winston McCall. Doch das sei schon ein paar Jahre her – damals fand das Tuska noch in einem Park nahe des Hauptbahnhofs statt. Vor ein paar Wochen wiederum haben Parkway Drive ein neues Album auf den Markt gebracht, „Reverence“, von dem sie natürlich auch den einen oder anderen Song performten. Ein Höhepunkt der Show: das Drumsolo von Ben Gordon, der sich in seinem brennenden Käfig drehte und beim Spielen zeitweise auf dem Kopf trommeln musste.

Insgesamt war es wieder ein sehr schönes, rundes Festival, zwar mit 34.000 Menschen nicht ganz so gut besucht wie im Vorjahr, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. Und auch organisatorisch hinterließ das Tuska einen positiven Eindruck. So gab es keinerlei Verzögerungen im Ablauf, das Security-Personal zeigte sich wachsam, aber dennoch freundlich, und neben den musikalischen Ergüssen ward für genügend Verköstigungsangebote sowie ein umfangreiches Rahmenprogramm gesorgt.

Text: Lea Sommerhäuser
Fotos:
© Tuska Festival / Jesse Kämäräinen

www.tuska-festival.fi

14 Juli 2018

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