Fates Warning & Kingcrow (Berlin, K17, 24.04.2014)

Fates Warning & Kingcrow (Berlin, K17, 24.04.2014)

Fast zehn Jahre waren Fates Warning nach ihrem 2004er-Album „FWX“ weg vom Fenster, ehe sie vor Kurzem ihr Comebackwerk „Darkness In A Different Light“ veröffentlichten. Im April statteten die amerikanischen Progressive-Metaller Europa für ein paar Shows einen heiß ersehnten Besuch ab.

Doch eh es im K17 die Fates-Warning-Vollbedienung gab, standen erst einmal die Italiener Kingcrow auf der Bühne und präsentierten dem etwa zu zwei Dritteln gefüllten Club ihre eigene Interpretation progressiver Sounds. Inspiriert von Bands wie Rush, King Crimson, Porcupine Tree oder Spock’s Beard, gab es sowohl harte als auch zarte Passagen und ein großes Maß an Abwechslung. Vorgestellt wurden sowohl Tracks des aktuellen Longplayers „In Crescendo“ als auch ältere Tracks. Musikalisch war alles im grünen Bereich, nur an der Bühnenshow lässt sich noch arbeiten, wirkte diese doch vor allem bei Sänger Diego Marchesi etwas aufgesetzt. Beim Publikum kamen die Römer indes gut an und so gab es ordentlichen Achtungsapplaus.

Nach etwa 20-minütiger Umbaupause begannen Fates Warning ihr „extra-langes“ Set (Zitat Ray Alder) mit „One Thousand Fires“, gefolgt von „One“, das sofort von zahlreichen Fans begeistert mitgesungen wurde. Der Sound war fett, das Zusammenspiel super-tight und an den musikalischen Fähigkeiten der Akteure gibt es eh keine Zweifel. Besonders agile Flitzefinger präsentierte Tourgitarrist Michael Abdow, der Frank Aresti ersetzte und die vielen Solopassagen mit großer Leichtigkeit zockte. Bassist Joey Vera überzeugte nicht nur genaues und aufwendiges Spiel, sondern auch durch unterhaltsame Grimassen. Auch Drummer und Taktgeber Bobby Jarzombek spielte die vertrackten Drumfiguren mit großer Sicherheit, Bandkopf und Komponist Jim Matheos schien dagegen eher der in sich gekehrte Ruhepol auf der Bühne zu sein. Frontmann Ray Alder war stimmlich etwas angeschlagen und klang ungewohnt rau, allerdings hielt er bravourös durch und traf dennoch alle Töne. Zu den Highlights des Sets gehörten mehrere Teile aus dem Konzeptalbum „A Pleasant Shade Of Gray“, das melodische „Point Of View“ und das finale „Monument“, das zu den Glanzmomenten progressiver Kompositionskunst zählt. Nach 15 Songs wollten die Fans, die überwiegend älteren Semesters waren, natürlich noch nicht nach Hause gehen. So wurde die Band für einen Zugabenblock mit dem ausladenden „Still Remains“ und „I Am“ zurück auf die Bühne gefordert. Fazit: Gelungene Songauswahl, nur einige frühe Klassiker aus der John-Arch-Ära dürfte mancher vermisst haben. So endete ein kurzweiliges Konzert, bei dem jeder Ton saß und selbst die komplexesten Passagen mit lockerer Selbstverständlichkeit und hohem Entertainment performt wurden. Da bleibt nur zu hoffen, dass sich Fates Warning bis zum nächsten Album samt Tour nicht wieder eine Dekade Zeit lassen!

Text & Bild: Sascha Blach

26 April 2014

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