Vlad In Tears/Rain Diary/Firstborn (13.04.2018, Köln, Jungle Club)

Vlad In Tears/Rain Diary/Firstborn (13.04.2018, Köln, Jungle Club)

Derzeit befinden sich die Darkrocker Vlad In Tears auf Europatour – zusammen mit den skandinavischen Bands Rain Diary und Firstborn. Die Auftaktshow absolvierten die Musiker am 13. April 2018 im Kölner Jungle Club.

Und wie man das so kennt von den ersten Shows einer Tour, läuft nicht immer alles auf Anhieb so rund, wie man es sich mit Sicherheit wünscht. Denn: Die Crew muss erst einmal warmlaufen und sich einspielen, die Technik muss ausgelotet werden, in sämtliche Abläufe muss Routine gebracht werden … Also absolut nicht verwunderlich, dass es beim Konzert in Köln schon beim Einlass zum Zeitverzug kam, da die Bands mit ihren Soundchecks noch nicht fertig waren. Doch alles halb so wild: Die zeitig angereiste, überwiegend schwarz gekleidete Fanmeute wartete geduldig – bei zum Glück angenehmen Temperaturen – vor den Türen des Clubs und gönnte sich noch das eine oder andere Bierchen und Zigarettchen.

Kurz nach halb acht – eine knappe halbe Stunde später als geplant – war es dann endlich soweit und alle durften rein in die gute Stube. Es ging direkt hinunter in den Keller des Clubs, wo eine kleine mit „Plastikpalmen“ und „Skeletten“ dekorierte Bühne, Getränketheke und der Merchandise-Stand auf die Fans warteten. Zwar hielt sich der Andrang an Konzertbesuchern generell in Grenzen, dennoch durften sich die drei Bands an jenem Abend über einen stimmungsvollen Empfang freuen.

Den Anfang machten Firstborn aus Schweden, die just an jenem Freitag ihr neues Album „Naked & Exposed – Chapter I : Dividualism“ veröffentlicht haben. Und natürlich gab es einige Songs von dieser Scheibe zu hören, so etwa das flottere „Will It Be Too Late?“ mit A-Cappella-Ende oder auch den Titeltrack „Naked & Exposed“. Ebenso performte die Alternative-Rock-Band mit Marcus Carlzon am Mikrofon das schwerere „Incomplete“. Dann, nach gut 30 Minuten, mussten die vier Herren Platz für die nächste Support-Band machen.

Der Umbau lief zügig ab, schließlich hatte auch das finnische Quintett Rain Diary nur eine gute halbe Stunde Zeit, um den Zuschauern seine Darkwave-Klänge näher zu bringen. Und das gelang recht gut, wenn man an den herzlichen Applaus nach jedem Song zurückdenkt. Da Rain Diary mit „Black Weddings“ ebenfalls ein neues Album am Start haben, durften sich die Zuschauer über einige Kostproben aus jenem Werk freuen, darunter „Toxic Blues“, der eingängige Videosong „Berlin“, die flotte Tanznummer „Kill The Disco“ und „We Are Here We Are Now“.

Sänger Tommi Suomala verschwendete nicht viele Worte, wies aber zwischendurch auf den Merchstand am Rande hin, wo es das neue Album natürlich auch zu kaufen gab. Gesanglich wurde der blonde Frontmann immer wieder von Keyboarderin Tytti Toppari unterstützt, die sich düster geschminkt hatte. Selbst Bassist Joni Bitter trug schwarzen Lippenstift, blieb aber die meiste Zeit im Hintergrund – was aber auch dem geringen Platz auf der Bühne geschuldet sein durfte. Erst beim Kracher „Frail Flags In Wind“ vom Vorgängeralbum rockte Joni plötzlich nach vorne an den Bühnenrand, um sich mit Gitarrist Teemu Rantanen ein kleines Saiten-Duell zu liefern. Im Publikum wurde derweil ein wenig getanzt.

Kurz vor 22 Uhr waren dann die Headliner Vlad In Tears an der Reihe, für die erst einmal die Nebelmaschine angeworfen wurde – dazu die Liedzeilen „Mister Sandman, bring me a dream…“ aus den Lautsprecherboxen. Schließlich schälten sich die Darkrocker – einer nach dem anderen – aus dem Nebel heraus und legten gewohnt krachend mit ihrer gut 80-minütigen Show los. Die Fans drückten sich von Anbeginn eng an die Bühne, obgleich sie nach hinten weg viel Freiraum gehabt hätten, und klebten mit ihren Blicken am charismatischen Frontmann und Sänger Kris Vlad sowie seinen vier Mitstreitern.

Die Herren eröffneten ihre Show mit der aktuellen Video-Single „Sorrow“ vom neuen Album „Souls On Sale“, dicht gefolgt von „Blame Yourself“ und dem flotten Ohrwurm „Mary“, bei dem es mittendrin eine Klatschpassage gab. Dann kündigte Kris, der helle Kontaktlinsen trug, wieder einen neuen Song an, „How Do You Know“, der um ein Gitarrensolo bereichert wurde. Da die Temperaturen im Jungle Club langsam stiegen, zog der Sänger recht bald seinen Mantel aus – bei den Herren an den Instrumenten stand ohnehin schon der Schweiß auf der Stirn, doch keine Ermüdungserscheinungen in Sicht. Im Gegenteil: Spätestens bei „Here Comes The Rain“ gingen Band und Publikum ins Hüpfen über.

Ungefähr zur Halbzeit ward plötzlich alle Aufmerksamkeit auf den Drummer gerichtet, der darauf hinwies, dass die Tourmanagerin Melanie Geburtstag habe – und spontan gab es von allen Anwesenden ein Ständchen für sie – unmittelbar gefolgt von einem ausgiebigem Drumsolo, bei dem sich der Rest der Band eine kurze Pause gönnte. Den zweiten Part der Show präsentierten Vlad In Tears noch weitere frische Song wie etwa „Bleed Me Dry“ und „Pray“, gemischt mit ein paar älteren Hits. Zum Abschluss wurde dann förmlich „The Devil Won’t Take Me Home“ gefordert – und die Fans wurden nicht enttäuscht. Allerdings mussten sie an jenem Abend gänzlich auf Zugaben verzichten, was aber kein Problem gewesen sein dürfte. Schließlich hatten sie ein wahrlich buntes Programm geboten bekommen und konnten ihrer Band bei dieser intimen Club-Show ganz nahe sein.

Text & Fotos: Lea Sommerhäuser

http://www.vladintears.com

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20 April 2018

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