Deathstars – Schwedisches Drama

Deathstars – Schwedisches Drama

In den letzten fünf Jahren waren die Glam-Metaller Deathstars fast kontinuierlich auf Tour unterwegs, sodass der Nachfolger von „Night Electric Night“ (2009) ein wenig warten musste. Doch im Juni ist es endlich so weit: Mit „The Perfect Cult“ erscheint das bisher „dramatischste“ Album der Schweden. Gitarrist und Produzent Nightmare stand uns Rede und Antwort.

„Wer sich das Album in Ruhe anhört, wird an einen anderen Ort entführt und förmlich in ein Drama hineingesogen, das sich um einen herum abspielt“, berichtet er im Interview. „‚The Perfect Cult‘ zielt dabei nicht auf eingängige Upbeat-Melodien, sondern erzählt vielmehr eine Geschichte. Es ist ein sehr visuelles Album, das sich fühlen lässt.“ Bei der Produktion hatte Nightmare die Oberhand, griff u. a. aber auch auf die Unterstützung von Produzent Roberto Laghi (In Flames etc.) zurück. Insgesamt verbrachten die Schweden fünf Monate im Studio – die bisher zügigste Produktion sei es gewesen. Denn Pausen gönnte sich Nightmare nur selten: „Die ersten drei Wochen verbrachte ich zusammen mit Roberto eine tolle Zeit im Studio, danach arbeitete ich non-stop bis zum Ende der Produktion weiter – stets 15 Stunden oder mehr pro Tag.“

Für ihr neues Werk kombinierten die Deathstars programmierte und organische Instrumente – beispielsweise wurde das Schlagzeug von Vice live eingespielt – zu einer massiven Einheit. Der Vorgänger klinge dagegen, als wäre er mit „Plastikspielzeug“ aufgenommen worden, so Nightmare. „Auf ‚The Perfect Cult‘ ist alles organischer und lebendiger, obgleich noch immer Synthies und Sound-Effekte zum Einsatz kommen.“ Gleichzeitig steuert Frontmann Whiplasher seinen markant-düsteren Gesang bei. Doch wenn er das Studio betritt, weiß man nie, was passiert. „Er ist eine Achterbahn von Persönlichkeit“, gesteht der Gitarrist. „An manchen Tagen funktioniert alles bestens, an anderen klappt rein gar nichts. Wenn man mit ihm privat abhängt, ist es immer sehr spaßig, aber sobald es ums Arbeiten geht, kann es anstrengend mit ihm werden. Wie viele große Künstler hat er eine starke Persönlichkeit.“ Diese finde sich auch zu 100 Prozent in seinen Texten wieder. „Die Songs sind eine Reflexion seiner selbst und von uns als Band“, berichtet Nightmare. „Ich glaube, für Whiplasher sind die Lyrics eine Möglichkeit, sich selbst besser zu verstehen.“

Der Albumtitel und Titeltrack „The Perfect Cult“ ist dabei von Sarkasmus geprägt. In dem Lied geht es darum, an nichts zu glauben, noch nicht einmal ans eigene Leben, und wie zerstörend es sein kann, wenn man gefühlslos ist. Doch als erste Single wurde das treibende „All The Devil‘s Toys“ ausgekoppelt, wobei mit den Teufelsspielzeugen alles Gefährliche, Verdorbene und Vernichtende im Leben gemeint ist. Das passende Musikvideo dazu drehte das Quartett, dem noch Basser Skinny angehört, in einem Studio in Belgrad. Im Herbst geht es dann mit den neuen Songs auf Tour, und dann kann sich jeder selbst davon überzeugen, ob Nightmare übertreibt oder das Publikum Zeuge eines Dramas wird. Jedenfalls verspricht er mehr Licht- und Nebeleffekte und ein komplett neues Bühnenbild.

Lea Sommerhäuser

www.deathstars.net

27 Juni 2014

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