Insomnium – Musik ist das Beste!

Insomnium – Musik ist das Beste!

Ende April veröffentlichten die finnischen Melodic-Death-Metaller Insomnium ihr mittlerweile sechstes Studio-Album. Es wurde auf den Namen „Shadows Of The Dying Sun“ getauft, beinhaltet viele Blastbeats und Gitarrensoli sowie die gewohnte Mischung aus cleanem und Growl-Gesang. Einige der neuen Songs präsentierte das Quartett an Pfingsten auf dem Rock-Hard-Festival in Gelsenkirchen. Vor der Show trafen wir Niilo Sevänen (Gesang, Bass) und Ville Friman (Gitarre, Gesang) zu einem Interview.

Kürzlich habt ihr euer neues Album „Shadows Of The Dying Sun“ veröffentlicht. Wie ist das bisherige Feedback?

Ville: Das Feedback ist wirklich gut – bezogen auf Reviews und wenn man dem Freundeskreis Glauben schenkt. Nun gut, unsere Freunde könnten natürlich auch lügen. [lacht] Doch generell denke ich, dass sie das Album mögen. Wir haben gute Kritiken erhalten und sind sowohl in Finnland als auch in Deutschland erfolgreich in den Charts. Das ist gut!

„Shadows Of The Dying Sun“ ist euer sechstes Studio-Album. Wie würdet ihr die persönliche wie auch musikalische Entwicklung der Band über die Jahre beschreiben?

Niilo: Der Weg ist natürlich lang. Bei jedem frischen Album fügen wir unserem Sound etwas Neues hinzu, um nicht einfach das zu kopieren, was wir davor aufgenommen haben. Es gibt also jedes Mal eine natürliche Weiterentwicklung. Wenn man sich das erste Album anhört, sollte man den Unterschied ganz besonders deutlich hören.

Und wenn man die neue Platte mit der letzten, „One For Sorrow“, vergleicht?

Ville: Ich vermute, die CDs dürften sich am ähnlichsten sein. Jedes neue Album ist nun mal seinem Vorgänger am nächsten. Doch wir haben einen neuen Gitarristen, Markus Vanhala, weshalb das neue Album mehr Gitarrensoli birgt. Letztlich verwendeten wir unsere bisherigen Zutaten und ergänzten einfach noch ein paar frische Zutaten wie Blastbeats am Schlagzeug. Wir wollten einfach ein bisschen extremer sein, hatten aber zugleich keine Angst davor, auch softere Songs einzuspielen. So ist das neue Album recht vielschichtig.

Ist Insomnium eine demokratische Band oder gibt’s einen Hauptverantwortlichen, der immer das letzte Wort hat?

[Gelächter]

Ville: Wir versuchen zumindest, demokratisch zu sein … da jedoch immer viele Dinge anstehen, haben wir einen Manager, der uns unterstützt. Er ist sozusagen das fünfte Bandmitglied und kümmert sich um viele Dinge …

Wie kommt ein Insomnium-Song für gewöhnlich zustande? Wer schreibt die ersten Riffs?

Ville: Jeder von uns arbeitet an Ideen und mailt diese dann an die übrigen Bandmitglieder. Wir hören uns die Ideen dann an, geben ein Feedback, verbessern Dinge oder fügen weitere Ideen hinzu etc.

Wie lange habt ihr an „Shadows Of The Dying Sun“ gearbeitet?

Niilo: Ein paar der Songs und Riffs sind bereits einige Jahre alt, doch die meiste Arbeit erledigten wir innerhalb eines halben Jahres. Wie begannen damit Anfang 2013, als wir von der US-Tour zurückkamen. Wir gönnten uns dann erst einmal eine Auszeit vom Touren, um uns voll und ganz darauf zu konzentrieren, neue Songs zu entwickeln. Wir hätten insgesamt mehr Zeit gebrauchen können, doch manchmal gibt das der Terminkalender einfach nicht her.

Was waren die Herausforderungen?

Niilo: Ursprünglich wollten wir 2013 nicht touren, doch am Ende nahmen wir sowohl an der Moonspell- als auch an der Children-Of-Bodom-Tour als Supporter teil. Zwei Monate gingen also fürs Touren drauf – und das hat uns viel Energie gekostet. Es ist nicht leicht, neue Songs auf Tour zu schreiben und sich richtig zu konzentrieren. Wir waren einfach zu ehrgeizig: Auf der einen Seite wollten wir an den beiden Touren teilnehmen, auf der anderen Seite ein neues Album produzieren. Es war eine Herausforderung, alles unter einen Hut zu bekommen. Doch letztlich haben wir es geschafft. Immerhin ist es bereits unser sechstes Studio-Album, wir wissen also, wie das läuft. Solange Markus seine Aufgaben erledigt und im Studio die Drums einspielt, können wir mit den Gitarren etc. weitermachen und verschiedene Dinge ausprobieren.

Der Albumtitel „Shadows Of The Dying Sun“ klingt recht apokalyptisch. Inwiefern spiegelt sich dies im Sound und in den Lyrics wider?

Ville: Mmm, ich denke, der Titel ist eine Art Realisierung, dass wir alle einmal sterben werden – also in diesem Sinne ist er apokalyptisch. In den Lyrics findet man aber verschiedene Themen. Einige sind recht persönlich und handeln von Beziehungen, andere sind eher existenzieller Natur: Warum sind wir hier? Was ist der Sinn des Lebens?

Schreibt ihr beide die Songtexte?

Niilo & Ville: Ja!

Was waren neben den persönlichen Dingen eure Inspirationsquellen?

Niilo: Nun, wenn ich damit beginne, Lyrics für ein neues Album zu schreiben, versuche ich immer, möglichst viel Dichtkunst zu lesen, um ein paar neue Ideen zu erlangen. So arbeite ich normalerweise. Die Themen sind dabei recht universell. Natürlich kann man sich auch von Büchern und Filmen inspirieren lassen.

Ville: Ich sammle meine Ideen immer auf dem iPhone. Wenn man ein Buch liest und einem ein paar Zeilen in den Sinn kommen, ist das ein guter Startpunkt. Manchmal habe ich eine klare Idee im Kopf, worüber ich schreiben möchte – das macht alles einfacher.

Inwiefern lasst ihr euch auch von euren Träumen inspirieren?

Ville: Ich persönlich verwende niemals meine Träume als Inspirationsquelle. Normalerweise erinnere ich mich auch nicht an sie, und wenn doch, dann sind sie zu verrückt, als dass man sie nutzen möchte. [Gelächter] Vielleicht unbewusst, aber nicht wirklich direkt.

Wie schaut’s bei dir aus, Niilo?

Niilo: Ja, es ist wirklich schwer, sich an seine Träume zu erinnern, zehn Minuten nachdem man aufgewacht ist. [lacht] Ich verwende sie also auch nicht, nur eben unbewusst.

Welche musikalischen Träume möchtet ihr noch verwirklichen?

Ville: Es wäre großartig, mal in Australien zu spielen und stets während der Tour ein wenig Freizeit zu haben, dass man sich auch mal was anschauen kann und nicht nur auf der Bühne steht. Vor rund zwei Jahren waren wir in Asien und spielten zwei Shows in China und eine in Japan – wir hatten dort Zeit, uns die Chinesische Mauer anzuschauen und ein wenig Sightseeing zu machen. Das war wirklich großartig!

Werdet ihr auch Ende dieses Jahres Zeit für Sightseeing haben, wenn es auf Europa-Tournee geht?

Niilo: Wir werden jeden Tag Shows spielen, deshalb wird es kaum Zeit für Touristenausflüge geben. Je nachdem, wo wir sind, werden die Tage recht vollgepackt sein. Da wir Headliner sind, findet der Soundcheck tagsüber statt. Wenn man allerdings als Support-Band unterwegs ist, macht man seinen Soundcheck für gewöhnlich kurz vor der Show. Dann hat man den ganzen Tag Zeit.

In eurer Heimat geht ihr auch regulären Jobs nach. Wie lässt sich das mit der Musik vereinbaren?

Ville: Das ist richtig, wir alle haben Jobs, da es nicht leicht ist, nur von der Musik zu leben.

Niilo: Wenn wir auf Tour gehen, müssen wir natürlich Urlaub nehmen.

Ville: Das ist alles wirklich nicht einfach, aber wir haben Glück, dass wir alles unter einen Hut bekommen. Natürlich können wir nicht sechs Monate pro Jahr touren …

Was können wir von eurer Show auf dem Rock-Hard-Festival erwarten? Heute ist es recht warm und sonnig, was nicht wirklich zu eurer Musik passt …

Niilo: Aber Sonne ist besser als Regen. Natürlich würde der Regen besser zu unserer Show passen, von der Stimmung her, aber dann würden die Zuschauer fern bleiben …

Ville: Eigentlich bevorzugen wir es, in Clubs zu spielen, wo man auch ein bisschen mit dem Licht werkeln kann, damit alles dramatischer ist. Aber heute ist es nun mal so, dass wir Open Air bei Sonnenschein spielen, und wir werden das Beste daraus machen und eine gute Show abliefern. Es ist wichtig, live zu spielen; so kann man am besten die Leute von seiner Musik überzeugen.

Was ist euer Favorit von der heutigen Setlist?

Ville: Vom neuen Album mag ich „The Promethean Song“, obgleich der Track von Markus und nicht von mir geschrieben wurde. Er ist also nicht persönlich, aber gerade das macht es einfacher, einen Song zu mögen. Bei meinen eigenen bin ich zu kritisch …

Und du, Niilo?

Niilo: Schwer zu sagen, aber die Setlist ist ziemlich gut, denke ich. Sie beinhaltet viele unserer besten Songs.

Wir würdet ihr den Satz „Musik ist…“ vollenden?

Ville: …das Beste! [Gelächter]

 

Interview & Foto: Lea Sommerhäuser

www.insomnium.net

12 Juni 2014

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