Katatonia – „Different Shades Of Grey“

Katatonia – „Different Shades Of Grey“

Am 30. September 2016 legten Katatonia im Rahmen ihrer „Fallen Hearts Of Europe“-Tour auch einen Zwischenstopp in Köln ein. Vor ihrer Show in der Live Music Hall trafen wir den Bassisten Niklas Sandin sowie den neuen Gitarristen Roger Öjersson der schwedischen Progressive-Dark-Rock/Metal-Band zum Interview. Ein Gespräch über seltsame Tour-Souvenirs, Lampenfieber sowie Veganismus…

NEGAtief: Wie ist die Tour für euch gestartet?

Niklas: Der Tourstart ist wirklich gut verlaufen. Wir spielten in Malmö, Schweden. Somit begann im Grunde alles in unserem Heimatland und wir mussten nicht so lange fahren. Doch danach gab es einen Reisetag bis runter nach Leipzig. Die Shows werden von Tag zu Tag besser…

NEGAtief: Ihr seid den kompletten Weg von Schweden nach Deutschland mit dem Bus gefahren?

Niklas: Ja, wir reisen per Nightliner. Die Fahrten sind zwar lang, doch man bekommt sie gar nicht richtig mit, denn wir fahren stets nachts, können schlafen und wachen dann in der nächsten Stadt auf.

NEGAtief: Kürzlich ward ihr auf Tour in Lateinamerika. Welche Erfahrungen konntet ihr dort drüben sammeln?

Roger: Lateinamerika ist ein großartiger Fleck Erde mit großartigem Publikum. Für mich war es das erste Mal, dorthin zu reisen. Ihr Jungs [schaut zu Niklas] ward schon mal dort…

Niklas: Ja, wir waren vor fünf Jahren dort. Das war dann für uns das erste Mal und wir waren total geschockt, weil uns die Menge dort so viel mehr Energie entgegen brachte. Es kam uns so vor wie bei einem Fußballspiel – alles springt und jubelt.

Roger: …und beinah lauter als wir selbst!

NEGAtief: Welche Souvenirs habt ihr von dort drüben mitgebracht?

Roger: Ich habe meine im Flugzeug vergessen. [lacht]

Niklas: Wir haben irgendwelche Flöten an einem Flughafen gekauft [lacht], doch haben wir sie im Flugzeug liegengelassen.

NEGAtief: Dann ward ihr kürzlich auch noch in Bulgarien und habt zusammen mit einem Orchester gespielt. Was war das für eine Veranstaltung?

Roger: Wir spielten mit dem Philharmonie-Orchester in einer Location, die man irgendwann in den 70ern entdeckt hatte. Während des Baus eines Highways grub man dieses alte römische Theater aus – und anstatt daraus ein Museum zu errichten, wurde es in eine Konzert-Location umgewandelt. Das ist ziemlich cool! Das Theater ist beinahe 2.000 Jahre alt.

NEGAtief: Doch wie kam es zum Konzert mit dem Orchester?

Niklas: Das ist etwas, was bereits verschiedene Bands unseres Managements – wie Paradise Lost und Anathema – auch schon gemacht haben. Sie stellten fest, dass das Konzept taugt und bei den Zuschauern gut ankommt, deshalb fragten sie auch uns, ob wir mit einem Orchester spielen wollen. Wir sagten zu. Natürlich war es etwas seltsam, da wir die Arrangements erstmalig vor Ort zu hören bekamen. Die ersten Proben waren dementsprechend etwas angespannt.

Roger: Letztlich hatten wir zwei Probetage, was nett war… [lacht]

Niklas: …und auf jeden Fall nötig.

NEGAtief: Bevorzugt ihr große Festival- oder kleine Club-Bühnen, um euch zu entfalten?

Niklas: Ich denke, mittelgroße Locations passen am besten – für um die 1.000 Leute oder etwas weniger. Somit wird es was intimer und wir können besser mit dem Publikum Kontakt aufnehmen. Außerdem: Wenn die Bühne zu klein ist, gibt es nicht das volle Lichtprogramm und auch keine entsprechende Kulisse. Und wenn man auf zu großen Bühnen spielt, wirkt man etwas verloren und kann auch keine Gesichter in der Menge sehen.

NEGAtief: Leidet jemand von euch noch unter Lampenfieber?

Roger: Ich denke nicht.

Niklas: Nein, kein Lampenfieber, doch manchmal ist man durchaus nervöser als an anderen Tagen.

Roger: Wenn man nicht genügend Zeit hatte, sich vorzubereiten, fürchtet man technische Probleme oder dergleichen. Ansonsten ist aber jeder von uns locker drauf!

NEGAtief: Was erwartet uns heute Abend bei der Show?

Niklas: Ihr könnt eine Show voller Energie und Dunkelheit erwarten.

NEGAtief: Warum spielt eure Support-Band Vola heute nicht?

Niklas: Sie spielt beim Euroblast Festival. Ich glaube, der Gig dort war bereits gebucht, ehe die Jungs für unsere Tour bestätigt wurden. Deshalb können Agent Fresco dem Publikum heute ein längeres Set bieten.

NEGAtief: Inwieweit passen Katatonia und Agent Fresco aus Island zusammen?

Roger: Wir passen ziemlich gut zusammen. Deren Musik ist etwas progressiver…

Niklas: Ich denke auch, dass es eine gute Partie ist. Ich finde es nur schwer, ihre Musik zu beschreiben, doch sie ist cool.

03_katatonia_30-09-16koeln_interview_bylsNEGAtief: Dann lasst uns über eure Musik sprechen: „Tod“ ist ein großes Thema auf eurem neuen Album „The Fall Of Hearts“. Es scheint, als hätten Anders und Jonas, die die Texte verfassen, kein gutes letztes Jahr gehabt…!?

Niklas: Möglicherweise. [denkt etwas länger nach] Schwer zu sagen. Wir hatten schon immer düstere und depressive Songtexte.

Roger: Doch die Songs können frei interpretiert werden…

Niklas: Ja, es kommt ganz auf die Interpretation an.

NEGAtief: Welcher ist der positivste Song auf dem neuen Album?

Niklas: Oh. [Gelächter] Die Songs haben verschiedene Depressivitätslevel, glaube ich.

Roger: Von Grau bis Schwarz.

Niklas: Genau, verschiedene Grautöne.

NEGAtief: Für den Song „Shifts“ habt ihr kürzlich ein neues Musikvideo vorgestellt. Inwieweit konntet ihr hier eigene Ideen einbringen?

Niklas: Ich glaube, hauptsächlich hat Anders mit dem Produzenten Lasse Hoile über das Konzept und den Inhalt gesprochen. Doch haben wir Lasse ziemlich freie Hand gelassen, weil er in der Vergangenheit schon sehr viel für die Band getan hat. Meiner Meinung nach kreiert er stets gute und passende Musikvideos.

NEGAtief: Die aktuelle Tour läuft noch ein paar Wochen. Was vermisst ihr am meisten, wenn ihr unterwegs seid?

Niklas: Die Daheimgebliebenen.

Roger: Familie, Kinder…

Niklas: Die Familie und „Kelles Kaviar“, was man bei Ikea kaufen kann. Manche Leute nennen es auch „Fischzahnpasta“. [Gelächter] Man schmiert sie auf Sandwiches und Eier.

NEGAtief: Ist das Essen auf Tour nicht gut genug?

Roger: Für mich ist es auf Tour nicht gerade leicht, da ich Veganer bin. Das kann manchmal etwas kompliziert werden… Vor allem in Südamerika war es knifflig, sage ich dir. [Gelächter]

NEGAtief: Dort gibt es vermutlich viel Fleisch…

Roger: Ja. Wenn man etwas Vegetarisches haben wollte, bekam man es mit gehacktem Fleisch, Hühnchen oder Schinken. Das stand noch nicht mal auf der Speisekarte. Auf der US-Tour habe ich tatsächlich Gewicht verloren, das war seltsam. Es gab für mich einfach kein Essen!

Niklas: Außerdem bist du ja auch noch gegen Pilze allergisch. [schaut zu Roger] Und wenn man sich etwas Veganes bestellt hatte, gab es jedes Mal Pilze. [Gelächter]

NEGAtief: Hast du denn wenigstes etwas Essbares beim heutigen Büffet hier in der Live Music Hall gefunden?

Roger: Oh ja, jede Menge! Bisher gab es wundervolles Essen. Ich habe Glück!

NEGAtief: Wie haltet ihr euch generell fit auf Tour?

Roger: Gar nicht. [lacht]

Niklas: Ich habe einfach mal von meiner Bierdiät zu Rotwein gewechselt. [lacht]

NEGAtief: Wird viel im Tourbus jede Nacht gefeiert?

Roger: Wir erfreuen uns stets an ein paar Drinks, doch wir werden niemals betrunken…bisher.

Niklas: Das Verrückteste, was ich auf dieser Tour getan habe und „rock’n’roll“ war: Ich habe gestern ein Glas Rotwein verschüttet, damit es nicht noch verrückter wird. Dies ist unsere erste Tour mit Roger…vielleicht noch ein paar weitere Wochen und man rennt nackt herum!? [Gelächter]

NEGAtief: Stimmt, du bist noch recht neu in der Band, Roger. Hast du dich mittlerweile gut eingelebt?

Roger: Eigentlich fühlte es sich von Anfang an wie selbstverständlich an, in der Band zu sein. Es ist nur seltsam, dass wir uns zuvor nie getroffen haben. Dabei haben wir viele gemeinsame Freunde und besuchten die gleichen Locations.

NEGAtief: Wie habt ihr schließlich zueinander gefunden?

Niklas: Ich glaube, di02_katatonia_30-09-16koeln_interview_bylse Opeth-Jungs haben uns Roger empfohlen. Auf unserer Facebook-Seite sowie Homepage gab es diese Anzeige, dass wir einen neuen Gitarristen suchen und man sich bewerben könne. Ich denke, es war Fredrik von Opeth, der sagte: „Hei, ich kenne diesen wirklich guten Gitarristen. Er ist total gelassen. Warum nehmt ihr ihn nicht mal unter die Lupe?“

NEGAtief: Und du warst daraufhin beim Vorspielen, Roger?

Roger: Nein. Wir hatten ein gemeinsames Dinner…

Niklas: Schließlich wussten wir ja, dass du ein paar Akkorde spielen kannst… [Gelächter]

NEGAtief: Hast du bereits Inhalte zum neuen Album beigetragen?

Roger: Nur ein paar Gitarrensoli. Das Album war bereits zum größten Teil fertig.

Niklas: Ja, als ich Roger das erste Mal traf, war schon so gut wie alles aufgenommen.

NEGAtief: Wie werdet ihr euch auf den dunklen und kalten skandinavischen Winter vorbereiten? Einfach nach Australien flüchten und dort touren?

Niklas: Ja, das ist toll. Es ist der perfekte Monat, um so eine Tour in Angriff zu nehmen.

English Version

Interview & Fotos: Lea Sommerhäuser

www.katatonia.com

16 Oktober 2016

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