Koraktor – Der neue deutsche Todesstern!

Koraktor – Der neue deutsche Todesstern!

Es war lange still um den Begiff der „Neuen Deutschen Todeskunst“. Gerade die Vorreiter dieses Genres haben entweder eine längere Schaffenspause oder gar das Ende ihrer Musikprojekte bekanntgeben. Bands wie „Relatives Menschsein“, „Endraum“, „Stillste Stund“ sind lange verstummt. Protagonisten wie „Samsas Traum“, „Das Ich“ oder „Goethes Erben“ machen sich rar. Mit „Koraktor“ meldet sich ein spannendes Trio aus der Schweiz. Wir haben die Band unter die Lupe genommen.

Wofür steht der Name Koraktor? Wie kam es zu dem Projekt?

Gabriel: Koraktor kommt aus dem Sorbischen, und ist ein Sammelbegriff für Zauberbücher. Anfänglich waren da ein paar musikalische Experimente welche nur auf Synthesizer und ersten Gesangsversuchen basierten. Im Jahr 2007 konnte ich Phil und Swen dazu begeistern, mit Gitarre und Bass in dieses Unterfangen mit einzusteigen. Koraktor war geboren.

Wie entstehen Eure Songs? Jam oder Bildschirm?

Die Songs entstehen komplett auf einem programmierbaren Synthesizer, ganz ohne Bildschirm. Manchmal entstehen die Texte erst nach der Musik, obwohl beim Komponieren dieser, die Richtung des Inhaltes schon steht. Wir versuchen aber vermehrt auch die Musik um den Text zu schreiben, wie wir es zum Beispiel auch bei der «Todesfuge» getan haben. Ist das Grundgerüst inklusive Gesang soweit um es den Kollegen zu zeigen, jamen wir mit den Gitarren dazu um die richtigen Riffs zu finden und so dem Sound die nötige härte zu verpassen.

Wie war der Entstehungsprozess des Albums und die Produktion?

Die Songs entstanden über einen grossen Zeitraum. Wie das Album klingen wird und in welche Richtung es geht, haben wir uns nie gefragt. Die Themen kamen völlig unabhängig voneinander, haben sich am Schluss aber doch fantastisch zu einem grossen Ganzen zusammengefügt. Auf den Titel für das Album kamen wir, indem wir uns fragten was die Songs miteinander verbindet. Die Produktion lag bis auf das Mischen und Mastern vollumfänglich in unseren Händen. Wir haben alles in unserem eigenen kleinen Studio aufgenommen, welches wir für dieses Album, und hoffentlich auch künftige, etwas aufgerüstet haben.

Bestie Mensch zeichnet ein sehr negatives Bild der Menschheit. Seid ihr Misantrophen und Menschenhasser?

Das ist eine interessante Frage. Ich persönlich hasse die Menschen nicht, auch wenn ich viele davon nicht mag. Ich hasse vielmehr, was sie tun. Ich finde es erbärmlich, wie die Menschen einander behandeln, wie sie sich bekriegen, wie sich manche über andere Stellen, wie Geld und Macht den Verstand vergiftet, und in vielen Fällen vor allem das Äussere zählt. Wenn ich ein Menschenhasser wäre, wäre mir das alles doch ziemlich egal, oder?

Die Todesfuge stammt aus einer der finstersten Zeiten Deutschlands. Gibt es heute wieder einen Bezug?

Den hat es wohl immer gegeben. Die Länder, in welchen gewisse Volksgruppen systematisch verfolgt werden sind momentan nur nicht gerade eines unserer Nachbarländer. In jüngster Zeit kristallisieren sich da ja auch ein paar Psychopathen an den Spitzen verschiedener Nationen heraus, welche durchaus fähig wären, der Wiederholung, der Geschichte auf die Sprünge zu helfen. Und in ganz Europa gibt es leider immer wieder Leute, welche sich sowas zurückwünschen.

Deutschsprachige, dunkle Musik wurde in den letzten Jahren mit Bands wie Unheilig wieder beliebiger aber auch volkstümlicher. Anfang der 90er gab es dagegen viel
häufiger Dadaistische oder expressionistische Bands die ihre Muttersprache neu verwendet haben. Was ist Euer Grund? Fühlt ihr Euch mit dem Begriff Neue Deutsche Todeskunst eher beschrieben als mit dem häufig im deutschsprachigen Pop anzutreffenden Deutschpoeten?

Die Songs in einer anderen Sprache als Deutsch zu verfassen stand bei uns eigentlich nie zur Debatte. Als Deutschpoeten würde ich uns aber definitiv nicht bezeichnen. Da fühlen wir uns mit dem Begriff Neue Deutsche Todeskunst doch deutlich wohler. Obwohl ich es ganz allgemein schwierig finde, unsere Musik konkret einer Stilrichtung zuzuordnen, was auch völlig ok ist.

Wie kann man sich Koraktor Live vorstellen? Ist bereits etwas geplant?

Wer uns in unseren Anfängen erlebt hat, weiss dass unsere Auftritte weder was für Asthmatiker noch für Epileptiker sind. Wir sind diesbezüglich aber etwas vernünftiger geworden, und versuchen unsere Konzerte so zu gestalten, dass das Publikum unsere Shows nicht nur unangenehm findet😊 Eine passende Lichtshow gehört aber nach wie vor dazu. Aktuell ist nur ein Konzert in der Schweiz angesagt. Wir wollen in naher Zukunft aber unbedingt die Grenzen überschreiten, und vor allem auch in Deutschland einige Gigs spielen.

Interview: G.Drexl

13 Dezember 2017

Kommentare sind geschlossen.