Tanzwut – Die Esel sind los!

Tanzwut – Die Esel sind los!

Nur wenige Monate nach ihrem letzten Rockalbum, „Höllenfahrt“, zelebrieren Tanzwut die „Eselsmesse“. Dafür wurden die E-Gitarren und Synthesizer im Schrank gelassen, denn es handelt sich um ein reines Mittelalteralbum.

„Meine Wurzeln liegen ja in der Mittelaltermusik. Ich bin einer von denen, die die aktuelle Marktmusik mit erfunden haben“, erklärt Teufel im Gespräch. Schon in der DDR waren seine damaligen Mitstreiter und er als Straßenmusikanten unterwegs. Später entstanden daraus die Rockband Tanzwut und die Mittelalterformation Corvus Corax. Nachdem sich die Wege der Musiker 2010 wieder trennten und Teufel Tanzwut mit neuer Besetzung fortführte, kam es für ihn keineswegs in Frage, diese Art Musik aufzugeben, wenngleich Tanzwut bis dato nur für Mittelalterliches im Rock-Korsett bekannt waren, nicht aber für puristische Marktmusik. „Für mich war es naheliegend, die Mittelaltermusik nicht an den Nagel zu hängen“, sagt er. „Es macht auch einfach mehr Spaß, mit zwei verschiedenen Projekten auf der Bühne zu stehen.“ So verbergen sich hinter dem Namen Tanzwut heute zwei verschiedene Programme. Ein rein akustisches für die Märkte und eines mit E-Gitarren und Elektronik für die Clubs.

Thematisch geht es auf der neuen Scheibe – wie der Titel schon andeutet – um eine mittelalterliche Eselsmesse. „In den Kirchen wurden seinerzeit für einen Tag die Werte umgedreht und es wurde ein Eselsbischof oder ein Eselskönig gewählt, der von der Kanzel gepredigt hat“, erklärt der Sänger. „Statt ‚amen’ hieß es dann ‚i-a’. Es wurde viel Wein getrunken und es gibt sogar mittelalterliche Beschreibungen, dass die Menschen nackt in der Kirche tanzten und komplett durchgedreht sind.“ Unsere heutige Faschingsvariante ist daraus entstanden. In Frankreich gibt es das Eselsfest sogar noch heute. Die Tanzwütigen haben dieses Thema mit großer künstlerischer Freiheit und ohne Authentizitätsgedanken vertont, aber darauf geachtet, dass alle Songs zum Konzept passen. Auch seltene mittelalterliche Instrumente sind zu hören. „Wir haben beispielsweise einen echten Eselskiefer verwendet“, verrät Teufel. „Das ist ein altes spanisches Instrument und es wurde gerade in Frankreich bei den Eselsfesten oft verwendet. Es macht ein schnarrendes Geräusch, da die Zähne halb lose auf einer Schnur aufgefädelt sind. Das ist zwar etwas makaber, aber damit lassen sich gut Percussion-Geräusche erzeugen.“ Ansonsten haben Tanzwut auch Instrumente wie Trumscheite, Rahmentrommeln, Gongs, Maultrommeln, Zimbeln, Darbukas und Schalmeien verwendet, um die „Eselsmesse“ zu neuem Leben zu erwecken. Die Mittelaltermärkte dürften sich über die neue Impulse sehr freuen. „Ich wollte neues Material auf die Bühne bringen, da ich gemerkt habe, dass auf den Märkten immer wieder dieselben Standards gespielt werden“, betont der Musiker. „Ich wollte für uns als Band neues Material haben, das sonst keiner spielt und kennt, um frischen Wind auf die Märkte zu bringen.“ Eine gute Entscheidung. Die Marktsaison kann kommen.

Sascha Blach

www.tanzwut.com

27 Juni 2014

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