Vorgestellt und reingehört: Enemy I – „Dysphoria“

Vorgestellt und reingehört: Enemy I – „Dysphoria“

Für einen Industrial/Dark Metal Rundumschlag sorgt 2017 die Band Enemy I aus Berlin – und macht mit ihren insgesamt 13 Songs (exklusive Hiddentrack auf der CD-Version) ihres Debütalbums „Dysphoria“ deutlich, dass diese Genre-Einordnungen definitiv nicht ausreichen, um ihr breitgefächertes Spektrum an musikalischen Ideen auch nur ansatzweise zu bestimmen.
Dies machte bereits ihre 2014 erschienene EP „anwhere but here“ deutlich und wird durch „Dysphoria“ nun einmal mehr untermauert.
Ohne stilistische Limitierungen, aber in sich stimmig arrangiert, verknüpfen die Musiker Elemente des Gothic Rock/Metal, Death und Black Metal, Industrial und sogar Doom miteinander. Daraus resultiert eine dunkel-bunte Vielfalt, der sowohl auf musikalischer als auch auf textlicher Ebene sinnige Strukturen verliehen wird.
Nach den zwei knackigen Industrial Metal Ohrwürmern „Don’t Trust“ und „Twinsight“ gleich zu Beginn durchstreifen Enemy I mittels eines inhaltlichen Teil-Konzepts die Höhen und Tiefen einer Beziehungsgeschichte. Entsprechend stößt der Hörer auf erhabene, gefühlvolle und sich an Intensität steigernde Balladen („The Cage“, „Our Demise“), mitreißende, tragend-dramatische, atmosphärische Epen („A Battlefield“, „Some Exist“) sowie extrovertierte und mutige Überraschungen („Miss Sex“, „Placebo God“), die entweder durch eine dominante elektronische Basis oder den Anstieg des Härtegrads punkten und aus dem Album herausstechen können.

Die Entfaltung der inhaltlichen Theatralik spiegelt sich dabei konsequent auch in der musikalischen Umsetzung wider, sodass die Titel – egal ob hart oder zart – zu fesseln verstehen.
Abwechslung schreiben Enemy I auch in gesanglicher Hinsicht groß, denn auf „Dysphoria“ wird gegrowlt, gescreamt, gehaucht und wohlklingend klar gesungen. Frontmann Rob DeVille schafft es, die Vielseitigkeit der bandeigenen Musik auch auf die Gesangsdarbietung zu projizieren und die jeweiligen Intentionen der Texte an die Hörer zu transportieren.
Im Ergebnis besitzt „Dysphoria“ daher aussagekräftige Texte mit viel Identifikationspotenzial durch ein hohes Maß an interpretatorischen Spielraum sowie abwechslungsreiche Musik mit Wiedererkennungswert und dem einen und anderen Alleinstellungsmerkmal.
Dass dies alles auch angenehm und druckvoll klingt, dafür sorgten Enemy I in vorrangiger Eigenregie, indem an Mixing und Mastering weitgehend selbst Hand angelegt wurde, während Hardy Fieting (Scream Silence) im Plainsong Studio in Berlin der Band unterstützend zur Seite stand.

Mit „Dysphoria“ dürften Enemy I somit nicht nur die hiesige Metalszene ordentlich aufmischen, sondern sie stellen ihr Können auch derart unter Beweis, dass sie international konkurrenzfähig sind. Dadurch sind immer wieder auftretende Vergleiche mit Größen wie Pain, Paradise Lost, Type O Negative, Katatonia oder End Of Green durchaus gerechtfertigt. Man darf also gespannt sein, was da noch kommen wird.
Einen ersten Eindruck vom musikalischen Ist-Bestand der Band liefern sowohl die folgende Album Preview als auch das Lyric Video zum Titel „Twinsight“:

Enemy I – „Dysphoria“ (Album Preview)

Enemy I – „Twinsight“ (Lyric Video)

Tracklist:
01) Don’t Trust
02) Twinsight
03) The Cage
04) S.a.r.b.
05) Placebo God
06) Miss Sex
07) Without Undue Delay
08) A Battlefield
09) Some Exist
10) Heartbeat Decline
11) Our Demise
12) Final Cut
13) Spell-Cast
www.enemyi.com

Text:Conny Ohm

11 Juli 2017

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