Apocalyptica – Schattenspiele

Apocalyptica – Schattenspiele

Bislang kannte man Apocalyptica vor allem dafür, dass sie bekannte Songs auf drei bzw. vier Celli nachspielten und sich fast alles, was Rang und Namen hat, als Gast ans Mikro holten. Auf dem neuen Longplayer „Shadowmaker“ gibt es weder das eine noch das andere, denn Apocalyptica haben mit Franky Perez (Scars On Broadway) einen festen Sänger engagiert und präsentieren erneut ausschließlich Eigenkompositionen.

 

„Es war oft ein Chaos und verwirrend, denn es gab zu viele Menschen hinter den Kulissen, die Meinungen zu Dingen hatten, die sie eigentlich nichts angehen“, erzählt Cellist Eicca Toppinen über die Umstände der letzten Alben, auf denen Sänger wie Till Lindemann, Ville Valo, Cristina Scabbia, Adam Gontier oder Corey Taylor mitwirkten. „Es hatte Vor- und Nachteile, dass wir so viele Gäste hatten. Jeder Sänger hat seinen eigenen Charakter und die Songs waren sehr unterschiedlich. Dadurch fehlte es den Scheiben aber an Homogenität.“ Das sollte sich nun ändern, indem Apocalyptica alle neuen Stücke von Franky Perez singen ließen. Dieser hat in der Vergangenheit vor allem als Gitarrist von Scars On Broadway auf sich aufmerksam gemacht, überzeugt jedoch auch durch eine mittelhohe Stimme, die melodisch und kraftvoll zugleich klingt. Der Ami hat einige Wochen mit der Band im Proberaum in Finnland verbracht und half ihr, sich wieder aufs Wesentliche zu konzentrieren: ein reines Bandalbum ohne Orchester, Gäste oder Coverversionen, das auch dank des Mixes von Greg Fidelmann (Metallica, Slayer u.a.) überaus imposant aus den Boxen tönt.

 

Wenngleich „Shadowmaker“ kein Konzeptalbum im eigentlichen Sinn ist, durchzieht die Scheibe ein roter Faden. „Es geht auf verschiedenen Ebenen um jene Menschen hinter den Kulissen der Welt, die eigentlich die Entscheidungen treffen“, so Eicca. „Sie beeinflussen damit unser tägliches Leben, werfen also einen Schatten, erscheinen selbst jedoch gesichtslos, denn wir wissen nicht, wer sie sind. Aber es gibt diese Menschen auch im kleineren Rahmen. Jeder kennt sie, diese Leute, die schlechte Laune verbreiten, anderen die Energie aussaugen und einen starken Schatten in die Welt werfen.“ In Bezug auf die eigene Situation merkt er an: „Das ganze Album ist eine Schlacht gegen Schattenwesen, auch insofern, dass wir selbst es diesmal niemandem recht machen mussten, während wir das Album produzierten.“ Die Band spielt inhaltlich weniger auf vermeintliche Verschwörungstheorien an als auf reale Ereignisse. „Gemeint sind z.B. große Konzerne. Sie sind eine gesichtlose Macht, die die Politik stark beeinflusst“, so der Finne. „Wenn etwas schief geht, müssen sie selbst nicht haften, sondern das gemeine Volk. ‚Shadowmaker’ sind z.B. die Chefs von Nestlé, die ein Geschäft damit machen wollen, dass sie selbst das Wasser ‚besitzen’.“ Doch politisch wollen Apocalyptica nicht sein. „Nein, das nicht, aber ich denke in einer Demokratie hat jeder die Pflicht, aktiv an der Gesellschaft teilzuhaben“, so Eicca abschließend. „Nur so kann man eine Demokratie am Leben halten. Wenn wir unsere demokratischen Pflichten ignorieren, verlieren wir die Demokratie. Das ist aber nur meine persönliche Meinung. So oder so denke ich, es ist auf jeden Fall ein zeitgemäßes Album, das fast schon zu gut in die heutige Zeit passt. Es passieren zu viele verrückte Dinge …“
Sascha Blach

www.apocalyptica.com

26 März 2015

Kommentare sind geschlossen.