Betontod – Punk für die Freiheit

Betontod – Punk für die Freiheit

Das neue Betontod-Album „Traum von Freiheit“ ist die erste Zusammenarbeit der Rheinberger Band mit dem Majorlabel Columbia. Punk und Major, funktioniert das? Gitarrist Frank über die neue Platte, Punk und Politik.

 

Wie fühlt es sich an, nun bei einem Majorlabel zu sein?

 

Frank: „Nach 25 Jahren Eigenregie ist es ein seltsames Gefühl, mal nicht an alles selbst denken zu müssen. Aber es ist gut, sich zurücknehmen und den Fokus mehr auf die Musik legen zu können. Es ist gewöhnungsbedürftig, aber wir haben ein gutes Gefühl dabei.“

 

Das Thema „Traum von Freiheit“ taucht auch in den Songs immer wieder auf. Was hat es damit auf sich?

 

Frank: „Es ist ein Gefühl, das sich entwickelt, wenn man sich anschaut, was in Deutschland abgeht: das Gefühl, dass die Freiheit bei der momentanen politischen Lage zu kurz kommt. Angst wird geschürt; der Sicherheitsgedanke verdrängt den Freiheitsgedanken. Letztlich geht es nur gemeinsam weiter und das wollten wir deutlich machen. Gemeinsamer Zusammenhalt und auch persönliche Integrität gegen politische Missstände sollen zum Ausdruck gebracht werden.“

Mit der Nummer „Keine Popsongs“ von eurem Album „Antirockstars“ (2011) hattet ihr euch noch klar gegen den Mainstream und vorgefertigte Konzepte gestellt. Ist es ein Widerspruch, Punk zu machen und bei einem Majorlabel unter Vertrag zu sein?

 

Frank: „Auf den ersten Blick vielleicht ja. Aber mit der Lebenserfahrung, die wir im Musikbusiness haben, ist es kein Widerspruch. Für uns überwiegt das Positive. Wir bleiben uns selbst treu und unser Label lässt uns diese Freiheit. Uns wurden keine Vorgaben gemacht und an diesem Punkt unserer Karriere war es eine logische Entscheidung. Der Song verliert dennoch nicht an Bedeutung. Viele gute Bands da draußen erleben das jeden Tag.“

 

Der Sound ist in den Refrains wieder stärker von Metal-Riffs geprägt und teils härter als auf dem Vorgänger-Album. Wie kam es?

 

Frank: „Wir wollten zurück zu unseren Wurzeln. Wir sind bewusst einen Schritt zurückgegangen und haben uns Fragen gestellt wie: Was ist die Essenz unserer Musik? Was ist Punk? Viele von uns kommen aus dem Metal-Bereich und ‚Schwarzes Blut’ (2006) ist einer unserer Favoriten. Wir sind dem Punk mit den schnellen Beats treu geblieben, haben aber die Gitarren tiefer gestimmt und setzen mehr Bass ein.“

 

In der Vergangenheit fiel im Zusammenhang mit Betontod öfter der Begriff „Grauzone“. Euer Statement dazu?

 

Frank: „Das Thema kam auf, weil wir auf einigen Festivals nach Bands mit fragwürdiger Reputation spielten. Dies wurde uns negativ ausgelegt. Unser Konsens ist, wir müssen uns nicht rechtfertigen. Unsere Texte lassen keine Fragen offen, ebenso wenig unsere Auftritte. Letztlich ist aber ein Statement wichtig. Aus diesem Grund entstand ‚Geschichte’ auf dem neuen Album als Antwort auf diese Gerüchte.“

Muss sich Punk zwingend mit politischen Themen auseinandersetzen, wie ihr in „Geschichte“ oder auch „Legion der Verdammten“?
Frank: „Ich finde nicht, dass Punk sich zwingend damit auseinandersetzen muss. Spaßpunk hat ebenfalls seine Berechtigung und wir haben auch solche Lieder auf dem Album. Allerdings finde ich persönlich schon, dass Punk durchaus politische Missstände aufzeigen sollte.“

 

Carina Usko

www.betontod.de

26 März 2015

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