Corvus Corax – Ein Vierteljahrhundert im Zeichen des Kolkraben

Corvus Corax – Ein Vierteljahrhundert im Zeichen des Kolkraben

Seit nunmehr 25 Jahren stehen Corvus Corax um die Gründungsmitglieder Castus und Wim nun schon auf der Bühne. Seit ebenso langer Zeit begeistern die mittelalterlichen Melodien Menschen auf der ganzen Welt. Wir haben uns das Jubiläum zum Anlass genommen, um mit Castus über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Band zu sprechen.

Castus, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum 25-jährigen Jubiläum. Sicherlich blickt man in solch einem Moment gerne noch einmal zurück, wie alles begann. Corvus Corax haben ja eine spannende Geschichte. Die Anfänge in der DDR mit Timperklimper, gefolgt von der Flucht in den Westen. Wie seid ihr damals zur mittelalterlichen Musik gekommen und aus welchem Grund habt ihr euch gerade dafür entschieden?

Castus: „In der DDR war Folklore sehr beliebt und darin enthalten ist auch mittelalterliches Liedgut. Da Folklore jeder machte, haben wir uns auf die mittelalterlichen Weisen spezialisiert und unseren eigenen Stil mit Dudelsack und Trommeln hineingebracht. Wir merkten recht schnell, dass man damit erfolgreich sein kann und haben dann weitergemacht.“

Wie haben sich die Anfänge nach der Flucht in den Westen gestaltet?

Castus: „Nachdem unsere Musik in der DDR aus verschiedenen Gründen verboten wurde, sind wir im Sommer 1989 über Ungarn nach Österreich geflüchtet. Über Umwege landeten wir nach Deutschland, Holland und Belgien in England, wo wir das Glück hatten, mit Peter Gabriel auf Tour gehen zu dürfen. Wir haben dann aber bald wieder unser eigenes Ding gemacht und sind quer durch Europa durch die Bars getingelt.“

Zurückblickend auf 25 Jahre: Was waren deine persönlichen Highlights mit Corvus Corax?

Castus: „Absolutes Highlight waren die 25 Jahre an sich. Wir verstehen es zu leben und es macht einfach immer noch wahnsinnig Spaß, zusammen zu musizieren und aufzutreten. Aber wenn du konkrete Beispiele möchtest: Das Konzert mit unserem Projekt Cantus Buranus auf der Museumsinsel in Berlin 2005 mit 140 Musikern auf der Bühne war ein echtes Erlebnis, das immer in Erinnerung bleiben wird. Zudem unsere zahlreichen internationalen Auftritte mit Corvus Corax und Cantus Buranus, vor allem in China und Mexiko. Tolle Erlebnisse gab es auch auf dem Summer Breeze und Wacken letztes Jahr. Einen ganz besonders gefühlvollen Moment gab es nach dem Auftritt auf dem Markusplatz in Venedig, als nach der Show ganz ergriffene Zuschauer auf uns zukamen, um sich zu bedanken. Wir hatten in dem Moment alle Tränen in den Augen.“

In den Jahren gab es sicherlich viele Entwicklungen. Sowohl für die Band, als auch für dich persönlich. Was hat sich – vielleicht auch in Hinblick auf die Musikindustrie – zum Besseren oder Schlechteren gewendet?

Castus: „Eine Sache, die sowohl positiv als auch negativ ist, sind die illegalen Downloads. Corvus Corax läuft unter unserem eigenen Label und wir leben davon. Dementsprechend sollten die Leute, die das Geld haben, auch bereit sein, für die Musik zu zahlen. Es schmerzt als Künstler, wenn man sein eigenes Album zwei Wochen vor Release im Netz findet, wie es bei ‚Sverker’ geschehen ist. Allerdings sind wir gerade durch diese illegalen Downloads international auch viel bekannter geworden und viele Leute haben auch nicht das Geld, um sich jedes Album zu leisten. Wir haben dadurch große Fangemeinden in Mexiko, Asien und sogar auf den Philippinen gewonnen. Schade finde ich, dass so wenig für die Förderung der Kultur getan wird in Deutschland. Da sind andere Länder wesentlich weiter. In Deutschland lohnt es sich kaum, mit Cantus Buranus aufzutreten, weil bei den anfallenden Kosten die Tickets 80 € kosten müssten. Mit Unterstützung vom Staat wäre hier sicherlich noch viel möglich.“

War es immer dein Plan, Musik zu machen? Oder gab es auch mal einen Moment, an dem du dir gedacht hast, einen anderen, alternativen Weg zu gehen?

Castus: „Klar gibt es einen Plan B: BerlinskiBeat. Mit diesem Projekt spielen wir, genauso wie mit Cantus Buranus, auf der ganzen Welt. Wir suchen immer neue Wege und jeder einzelne von uns ist verrückt genug, sodass es immer genug Abwechslung gibt. Somit kam der Gedanke an einen alternativen Lebensweg in der Form nicht auf.“

Es gab ja im Laufe der Jahre immer mal wieder Wechsel der Musiker in euren Reihen. Inwieweit hat das die Entwicklung eurer Musik beeinflusst?

Castus: „Wir bleiben uns immer treu. Es bleibt bei mittelalterlicher Musik auf historischen Instrumenten. Die Arbeit ist immer geprägt von gegenseitigem Respekt und dem Spaß an der Sache. Die Gründe, weshalb uns der eine oder andere verlassen hat, sind vielschichtig und dementsprechend sind wir damit auch umgegangen.“

Apropos Beeinflussung: Was gibt euch Inspiration und neue Ideen? Wie kamt ihr darauf, euch nun den nordischen Mythen zu widmen? Macht ihr historische Recherchen?

Castus: „Seit es Corvus Corax gibt, bin ich in Bibliotheken und Klöstern unterwegs und sammle Material. Nicht immer passt dies dann für das gerade laufende Projekt, aber es gibt somit immer genügend Stoff für Neues. Und durch das Sichten von Büchern und Schriften kommen natürlich auch immer wieder neue Ideen. Nach der Ausrichtung nach Osteuropa mit BerlinskiBeat und in den hohen Norden mit Corvus Corax wollen wir uns jetzt wieder neuen Dingen widmen, aber dazu kann ich noch nichts sagen, da es sich noch in der Entwicklungsphase befindet.“

Corvus Corax zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass ihr in der jeweiligen Sprache eurer thematischen Welt singt. Wie entstehen die Texte?

Castus: „Die letzten beiden Alben ‚Gimlie’ und ‚Sverker’ sind aus den Geschichten der altnordischen Edda entstanden. Hier habe ich auch viel in Originalschriften recherchiert und bin nach Island und Schottland gereist. Mit Hilfe von Freunden habe ich dann die Songtexte auf Altnordisch und Gälisch übersetzt.“

Eure Jubiläums-Tour startet am 19. Dezember 2014 in Berlin. Was können eure Fans erwarten? Sind Überraschungen geplant?

Castus: „Für Überraschungen sind die Fans diesmal selbst zuständig. Es gab vorab ein Voting, bei dem die Fans zwei Songs von jedem Album wählen konnten, welche wir dann auf der Tour live spielen. Das wird für uns eine Herausforderung, weil auch Lieder dabei sind, die wir noch nie live gespielt haben. So zum Beispiel ‚Bacchus’. Das wird für alle spannend.“

Nachdem wir nun in Vergangenheit und Gegenwart geschaut haben: Wie sieht die Zukunft von Corvus Corax aus? Gibt es eine Art „Bucket List“, was ihr auf jeden Fall noch machen möchtet?

Castus: „Wir planen etwas, aber darüber werde ich keine Details verraten. Wir wollen etwas machen, wovon andere bisher nur reden. Darüber hinaus werden wir das bisher so erfolgreiche Projekt Die Zwerge mit Schauspieler Johannes Steck weiter fortführen und wir treffen uns regelmäßig mit dem Autor Markus Heitz. Man darf also gespannt sein, was als Ergebnis dabei herauskommt.“

Carina Usko
www.corvuscorax.de

7 November 2014

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