Deine Lakaien – Jubiläum im Kristallpalast

Deine Lakaien – Jubiläum im Kristallpalast

Wenn eine Band wie Deine Lakaien ihr zehntes Album veröffentlicht, kann man sich sicher sein, dass Ernst Horn und Alexander Veljanov ihren Fans nicht nur einfach einen weiteren Longplayer kredenzen. So wundert es nicht, dass „Crystal Palace“ nicht nur das beste Lakaien-Album seit Langem ist, sondern auch das erste rein elektronische Werk seit „Winter Fish Testosterone“ (1996).

Im Gespräch im Berliner Büro ihrer Promoterin betonen die beiden Musiker, wie wichtig es ihnen sei, in Zyklen zu arbeiten, sodass keine Routine aufkommt. „Wir haben von Anfang an nur alle drei Jahre ein neues Studioalbum veröffentlicht, sodass wir dazwischen immer ein Jahr hatten, in dem wir wenig an Deine Lakaien gedacht haben und etwas anderes machen konnten“, betont Ernst, der auch regelmäßig Alben mit Helium Vola veröffentlicht. „Das ist ein ideales Rezept, um wieder Lust zu bekommen auf ein Lakaien-Album.“ Dass „Crystal Palace“ ihr zehntes Studioalbum ist, war den Protagonisten zu Beginn der Arbeit gar nicht bewusst. Viel wichtiger sei der eigene Ehrgeiz, der dafür sorge, dass man so oder so jedes Mal das Beste gebe. „Wir sind so ehrlich, dass wir bei jeder Produktion von Anfang an sagen, wenn wir uns langweilen und quälen, nur um eine Platte zu veröffentlichen, lassen wir es lieber bleiben“, betont Alexander Veljanov. „Wichtig ist uns immer, dass da Lust auf Neues und Überraschungen ist, aber auch auf das, was Deine Lakaien eben ausmacht.“

Während Deine Deine Lakaien zuletzt mit Akustik- und Orchesterkonzerten sowie -werken häufig weit entfernt von rein elektronischer Musik unterwegs waren, konzentrierte sich Horn diesmal wieder auf synthetische Klangerzeuger. Diese bringt er oft derart zum Klingen, dass sie von echten Instrumenten schwer zu unterscheiden sind. „Ich hatte eher das Gefühl, die Elektronik wieder ausreizen zu wollen, als dass ich zurück zu den Wurzeln wollte“, sagt er. „Es ist ähnlich wie bei einem Maler, der sagt, er malt jetzt nur mit einer Farbe.“ Nichtsdestotrotz ist „Crystal Palace“ kein eindimensionales Werk, denn von poppigen Stücken über düstere Wave-Songs bis hin zum experimentellen Elektronik-Einsatz deckt das Duo ein breites Spektrum ab. „Aber das ist ja gerade schön, denn dadurch wird es abwechslungsreich“, freut sich Veljanov. „Man hat auf der einen Seite peitschende Bassdrums und auf der anderen Seite sehr verspielt klingende Sounds, die an echte Zupfinstrumente erinnern.“ Dass unter Ernst Horns Kompositionen auch einige schwierig zu singende Stücke sind, betrachtet der Sänger als Herausforderung. „Ja, wenn alles so einfach wäre, dass man mal schnell ins Studio geht und etwas einsingt, langweilt man sich ja selbst“, lacht er. „Wenn wir mit einer Produktion beginnen, schauen wir jedes Mal, ob wir uns wieder gegenseitig überraschen können und so auch die Motivation steigt. Einfach nur eine Platte zu machen, ohne Spaß dabei zu haben, um Geld damit zu verdienen, wäre schrecklich. Aber wenn es beim zehnten Album so läuft, dass man die Hälfte der geschriebenen Songs auf andere Editionen verteilen muss, ist das doch ein ganz gutes Zeichen.“

Weiter ins Detail gehen wir im nächsten Heft!

Sascha Blach
Photo: Joerg Grosse Geldermann
www.deine-lakaien.com

31 Juli 2014

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