Eden Weint Im Grab – Das Leben, den Tod und das Danach betrachten

Eden Weint Im Grab – Das Leben, den Tod und das Danach betrachten

Die musikalischen Grenzgänger Eden Weint Im Grab tanzen ihren gruseligen Reigen auf dem aktuellen Album „Geysterstunde II“ weiter – abwechslungsreicher und spannender als je zuvor. Mastermind Alexander Paul Blake setzt sich mit unseren Fragen intensiv auseinander und hat allerhand tiefgründige, humorvolle und ernsthafte Antworten parat.

Alexander, es hat sich inzwischen eingebürgert, euren Namen EwiG abzukürzen. Seid ihr jemals mit der Band von Popsternchen Jeanette Biedermann verwechselt worden?
Alexander Paul Blake (lacht): „Nein, aber ich erinnere mich an unser kollektives Raunen, als wir von Biedermanns Band zum ersten Mal hörten. Einige Leute legten uns schon nahe, Eden Weint Im Grab in EwiG umzubenennen, weil der Name dann einfacher zu merken wäre. Ich habe mich aber immer dagegen gesträubt. Denn damit ginge die Doppeldeutigkeit verloren, und wir wollen gar nicht einfach und angepasst sein. Was bin ich im Nachhinein froh! Letzte Instanz haben uns übrigens auch nicht gefragt, ob sie ihr Album ‚Ewig’ nennen dürfen. Auf die Ewigkeit gibt es eben kein Patent – zu Recht!“

Es war nicht abzusehen, wie ihr an die bereits großartige „Geysterstunde I“ anknüpfen würdet, aber es ist euch mehr als gelungen.
APB: „Danke! Das Songwriting war so spontan und schnell wie selten zuvor – in 6-8 Wochen war alles in Demoform manifestiert –, die Produktion hat sich aufgrund vieler Details und unseres Perfektionismus dagegen recht in die Länge gezogen. Das Ziel war es, einen würdigen zweiten Teil zu schreiben, der vielseitig, sinister und mit viel Ernsthaftigkeit, aber auch viel schwarzem Humor ins Ohr und ins Hirn geht. Ob hart, zart oder progressiv, es gibt von allem etwas und meiner Meinung nach werden die 70 Minuten Spielzeit nie langweilig.“

Stimmt. Das ursprüngliche Soloprojekt hat sich im Lauf der Zeit stark verändert bzw. entwickelt. Wann seid ihr eine Band geworden und ab welchem Moment ergab das Sinn?

APB: „Das Bandgefüge bestand eigentlich schon vor ‚Geysterstunde I’, aber vor ‚Geysterstunde II’ wurde das Line-up noch einmal durchgewürfelt. Ich glaube, es war eine Fügung, denn wir sind sowohl menschlich als auch künstlerisch ein tolles Kollektiv. Auch die musikalischen Möglichkeiten und die Eigenständigkeit sind mit der Hinzunahme von Geige und Cello gewachsen, was wohl auch der größte Unterschied zwischen dem ersten und zweiten ‚Geysterstunde’-Teil ist.“

Wer eure abgefahrenen Videos kennt, weiß, dass ihr dafür einen ungeheuren Aufwand betreibt. Woher kommen die Detailverliebtheit und die Ideen und wie wichtig ist euch dabei die Optik?

APB: „Die Optik ist uns sehr wichtig, denn Eden Weint Im Grab soll ein Gesamtkunstwerk aus Musik, Texten und Visuellem sein. Aber gerade in Bezug auf die Videos sind wir nur so stark wie unsere Unterstützer. Unser Dank für das ‚Jenseitsflugmaschine’-Video geht an Regisseur Rainer ZIPP Fränzen, der mit viel Zeit und Idealismus ein echte Jenseitsflugmaschine für uns gebaut hat. Zwar konnte sein Nachbau nicht fliegen, aber ich bin mir sicher, wenn wir mehr Budget gehabt hätten, hätte er auch das noch hinbekommen und uns höchstpersönlich in das Jenseits geflogen (lacht).“

Du hast irgendwann mal gesagt, dass es für dich ein viel größeres Sein gibt als das, was viele Menschen dem Leben und Sterben beimessen. Nimmst du das zum Anlass, das Thema „Grusel und Mystisches” ein wenig auf die Schippe zu nehmen und spielen eure Black-Metal-  und Gothic-Wurzeln dabei eine Rolle?

APB: „Generell ja, aber das hat weniger mit den Wurzeln zu tun als mit meiner generellen Lebenshaltung. Ich würde mich als spirituellen Menschen bezeichnen, blicke gerne hinter den Schleier und beschäftige mich viel mit Sterbe- und Jenseitsforschung. Die ‚Geysterstunde’-Texte sind ein Versuch, diese Themen zu verarbeiten. Allerdings oft mit einem Augenzwinkern, denn man muss in dieser materiell geprägten Welt ja aufpassen, dass man nicht als ‚selbsternannter Prophet’ oder ‚Esoterikspinner’ stigmatisiert wird.“

Hast du Angst davor, selbst irgendwann mal ins Grab zu steigen?

APB: „Nein, überhaupt nicht. Nachdem ich schon so viel über die andere Seite gelesen habe und mich partout nicht mehr an die Zeit vor dieser Inkarnation erinnern kann, bin ich sogar sehr gespannt, wie es dort tatsächlich aussieht (lacht). Es gibt einige Berichte von Astralreisenden und Menschen mit Nahtoderfahrungen, die uns erahnen lassen, dass dort noch so unheimlich viel wartet. ‚Geysterstunde’ I und II sind der Versuch, mit der Taschenlampe in dieses riesige, unbekannte Dunkel zu leuchten. Ich lese übrigens gerade ein – wissenschaftlich fundiertes – Buch über die Reinkarnationserinnerungen kleiner Kinder. Starter Tobak, der zu denken gibt!“

Was hältst du von Ideen, der scheinbar ins Unendliche wachsenden Weltbevölkerung Einhalt zu gebieten und ihr das Ableben schmackhaft zu machen?

APB: „Nichts! Die Vertreter der Neuen Weltordnung verkünden auf den Georgia Guidestones (das sog. ‚Amerikanische Stonehenge’ – eine Anordnung von Steintafeln mit sehr fragwürdigen ‚Geboten’ – wurde 1979 in Elberton, Georgia errichtet – Anm. d. Verf.), die Weltbevölkerung unter 500 Millionen bringen zu wollen, alles andere sei ungesund für den Planeten. Solch ein Gedanke ist beängstigend. Ich glaube, dass jede Seele aus einem Grund hier ist – um etwas zu lernen und damit Rücksichtslosigkeit und Gier langfristig hinter sich zu lassen. Daher steht es aus meiner Sicht niemandem zu, andere Menschen auszulöschen und sie dieser Möglichkeit zu berauben – auch wenn man glaubt, für das Gute zu kämpfen. Das ist pure Arroganz.“

Gäbe es für dich einen Grund, die Musik an den Nagel zu hängen?

APB: „Verkrüppelte Hände oder Stimmbänder? Taubheit? Auch als Blinder wird’s schwierig. Oder als Toter. Sieht man von solchen Szenarien ab, kann ich mir derzeit nichts vorstellen, das mich davon abhält, weitere Stücke auf die Welt loszulassen, denn kreativer Ausdruck in der Musik ist mir ein tiefer Drang und eine große Leidenschaft. Ich kann nicht ohne, es ist keine freie Entscheidung, sondern eher so, als wäre ich ein Medium für die Lieder. Sie zwingen mich (lacht). Ich bin daher selbst auf unsere nächsten Kapitel gespannt!“

 

Kerstin Vielguth
Foto: Yvonne Brasseur

www.edenweintimgrab.de

10 September 2014

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