Egomey – Okkulte Offenbarungen

Egomey – Okkulte Offenbarungen

Vor wenigen Wochen überraschte eine neue Band am dunklen Horizont des Gothic-Metals mit ihrem video „Willkommen in der Unterwelt“. Nicht nur das Egomey mit deutschen Texten aufwartet: Die Band um den charismatischen Sänger Felix König zelebriert auf ihrem Debut „Offenbarung“ eine eigenständige und hochprofessionell produzierte Mixtur, die das Zeug hat, das Genre neu zu beflügeln. Doch auch inhaltlich überzeugt Felix durch philosophische Exkurse zu Okkultismus und Satanismus.

Danke, griechische Philosophen und satanische Bezüge durchziehen Euer Erstlingswerk. Wie kam es zu dieser inhaltlichen Mischung?

Ich würde den Begriff Okkultismus gegenüber Satanismus vorziehen. Auf Satanismus beziehen wir uns tatsächlich in keinem einzigen Text und wir haben auch keine Satanisten in der Band. Ich kann den ersten Anschein aber verstehen, da wir uns auch hier und da auf Aleister Crowley beziehen, der fälschlicherweise oft mit Satanismus in Verbindung gebracht wird. Bei der Philosophie gehen wir hingegen mit. Besonders Jiddu Krishnamurti findet sich in dem ein oder anderen Text wieder, auch wenn er nicht namentlich erwähnt wird. Letztlich sind unsere Texte oft eine Mischung aus Philosophie, Psychologie und Okkultismus. Dieses Spielfeld finden wir sehr interessant und es gibt jede Menge Inhalte her. Es passt auch sehr gut zusammen, denn wenn man zeitlich zu Carl Gustav Jung zurückgeht, waren diese Themen noch sehr vermischt. Wir sind auch der Meinung, dass man gerade aus dem älteren Okkultismus Elemente als mentale Übungen oder auch psychologische Ansätze in die heutige Zeit übertragen kann. Meditation und auch Manifestation sind zwei Beispiele, die mittlerweile recht weit verbreitet sind und an deren religiösen oder okkulten Ursprung man erst nicht denkt.

Euer Video „Willkommen in der Unterwelt“ ist ein warnendes Beispiel, eine Art Pandoras Büchse. Habt ihr euch schon selbst die Finger verbrannt?

„Willkommen in der Unterwelt“ ist ein Stück mit sehr viel Interpretationsspielraum und sehr vielen Metaphern. Wir glauben, dass jeder es auf seine eigene Art und Weise interpretieren wird. Im Zusammenhang mit dem Musikvideo gibt es noch mehr Interpretationsspielraum. Gier und vor allem Größenwahn sind aber Elemente, die diesen Song auszeichnen. Wir denken, dass jeder schon mal im Leben sich selbst überschätzt hat und auf die Schnauze geflogen ist. Mit Egomey ist uns tatsächlich bisher noch nicht passiert. Es gab aber einige Dinge, die sich am Ende als aufwendiger herausgestellt haben, als es am Anfang den Anschein hatte. Aber das gehört zum Leben und Dinge haben es oft an sich, dass sie länger brauchen und komplizierter sind, als man zunächst denkt. Wichtig ist, dass man durchhält und voran geht, wenn man etwas erreichen will. Was wir nicht leiden können, ist die Verhaltensweise von Menschen, die über ihr Leben klagen, gerne ein anderes hätten, aber nichts dafür tun. Wir packen die Dinge lieber an. Stichwort Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeit. Unser Song „Into Battle“ ist hier eine klare Kampfansage.

Erzähl uns ein wenig zur Gründung der Band und den Präferenzen der verschiedenen Musiker. Wie lange habt ihr am aktuellen Album gearbeitet? Wie hat sich der Produktionsprozess in der Pandemie gestaltet?

Da müssen wir jetzt aber etwas ausholen. Gegründet wurde Egomey als Zwei-Mann-Black-Metal-Band, bestehend aus Felix und Roland. Über eine Mittelalterband haben wir dann noch Damien kennengelernt und ihn spontan gefragt, ob er nicht mitmachen mag. Jene Mittelalterband verlief sich dann recht schnell wieder. Felix lagen auch keine Mittelaltersongs und statt einen Mittelaltersong zu schreiben, kam er dann mit zwei Dark-Black-Metalliedern in die Probe. Es wurde dann aber auch recht schnell klar, dass es melodiöser werden sollte als reiner Black Metal. Über seinen Gitarrenunterricht hat Felix dann Alex kennengelernt. Maik kam dann erst etwas später dazu. Das klingt jetzt natürlich etwas zusammengewürfelt, aber diese Entstehungsgeschichte hat auch dazu geführt, dass wir uns in der Band auch persönlich sehr gut verstehen. Wir können auch mit Stolz sagen, dass sich seit unserem ersten Auftritt die Besetzung nicht geändert hat.

Der Stil von Egomey ist besonders durch viele Einflüsse gekennzeichnet. Das kommt daher, dass jeder in der Band so ein wenig andere Musikpräferenzen hat. Auch wenn sich die Dark Metal Linie recht gut durchzieht, so finden sich auch sehr viele Melodic Death Elemente in unseren Songs. Auch wenn die Lyrics immer von Felix kommen und die Drums fast immer von Roland, so haben die Gitarrenspuren oft unterschiedliche Songwriter. Bei uns wirken viele am Songwriting mit und jeder darf sich künstlerisch entfalten, sofern ungefähr die Richtung stimmt. Bisher hat das auch gut funktioniert, denn am Ende klang es immer nach Egomey.

Das Album ist über den Zeitraum seit der Gründung entstanden. Es gab keinen Zeitpunkt, an dem wir gesagt haben, dass wir jetzt ein Album nach dem und dem Konzept in der und der Zeit machen wollen. Dadurch hat es etwas Persönliches und Ungeschliffenes. Für alle in der Band war es die erste Veröffentlichung. Deswegen haben wir es auch „Offenbarung“ genannt. Der Titel passte nicht nur sehr gut zu den Texten, sondern auch dazu, dass wir uns als Musiker mit diesem Album nun quasi musikalisch der Welt offenbaren und wir sind neugierig, wie die Menschen auf unser Erstlingswerk reagieren.

Der Produktionsprozess wurde von der Pandemie eigentlich gar nicht beeinflusst. Wir haben bei dem Album sehr viel digital und mit Plug-Ins gearbeitet, so dass wir nicht in ein Tonstudio zum Aufnehmen mussten. Diesen Weg mussten wir aber auch gehen, da wir keine fünfstellige Produktion fahren konnten und wollten. Wir hätten uns aber auch sonst nicht von der Pandemie abhalten lassen. Schließlich ist eine Albumproduktion wie Arbeiten und die Büros waren schließlich die ganze Pandemie über auch gut gefüllt.

Bei erstem Hören denkt man auch an Bezüge zu Bands wie Samsas Traum, mit dem Unterschied, dass ihr direkt in die metallischen Gefilde eingestiegen seid. Fühlt ihr Euch in dieser Nachbarschaft wohl?

Samsas Traum sind Felix seine Lieblingsband. Seit kurzem läuft er auch mit einem Samsas Traum Käfer herum, den Alexander Kaschtes Frau Asja gestochen hat. Sie sind gerade mit den härteren Alben wie Heiliges Herz ein prägender Einfluss und zum Beginn von Egomey haben wir auch „Hirte der Meere“ aus jenem Album gecovert. Wir machen aber einige Dinge auch grundlegend anders als Samsas Traum oder auch andere Dark Metal Bands. Wir verzichten nämlich auf Samples und Synthesizer. Unsere Melodien und Atmosphäre erzeugen wir ausschließlich mit den Instrumenten der Besetzung. Das wird auch so bleiben, denn wir wollen nichts kopieren, sondern etwas Neues darstellen.

Satanismus hat heute ein wenig an Strahlkraft eingebüsst. Ist Euch dieses Thema ein Anliegen?

Wir halten von Satanismus nichts. Satanismus ist eine Art Pseudo-Anti-Religion gegenüber der Kirche. Spirituell und philosophisch ist das ziemlich dünn. Dass er seine Strahlkraft verloren hat, ist für uns daher kein Wunder. Satanismus stellt heutzutage nämlich nichts mehr Verbotenes dar und man kann niemanden mehr mit umgedrehten Pentagrammen oder Kreuzen schockieren. Was hingegen immer noch vorhanden ist, ist eine Faszination für das Düstere und Dunkle. Das ist auch ein Element, was es immer in der Kunst geben wird. Sei es in der Musik, im Film oder in Literatur. Dabei gibt es Symbole und Gegenstände, die immer mit dem Düsteren und Dunklen in Verbindung gebracht werden. Damit arbeiten wir gerne.

Wann kann man Euch mal live auf der Bühne erleben?

Sobald wie möglich! Wir lieben es live zu spielen. In Coronazeiten ist es natürlich schwierig Gigs zu bekommen und viele Veranstalter tun sich schwer damit überhaupt Konzerte zu veranstalten. Das kann ich aber angesichts der unsicheren Lage, der sich die Kulturbranche gegenübersieht, nachvollziehen. Diejenigen, die hauptberuflich in der Kulturbranche unterwegs sind, haben jedenfalls unseren Respekt. Wer uns mal live sehen will, kann aber einfach uns direkt oder unserem Label schreiben. Bei Konzerten sind wir schnell willig und Freibier löst so manches Problem.

11 Juli 2021

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