Feuerschwanz – Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Feuerschwanz – Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Feuerschwanz feiern ihr zehnjähriges Jubiläum mit einer ausführlichen Live-DVD. Die Scheibe enthält einen Live-Mitschnitt vom Konzert im April 2014 in Erlangen, wo die Band im Zuge ihrer „Auf’s Leben“- Tour spielte. Die Fans können nun also auch in trauter Runde daheim dem „geilen Haufen“ beim Bühnen-Schabernack zuschauen und sich dabei über zahlreiche Gastauftritte freuen. Von Kritikern in der Vergangenheit durchaus immer wieder verrissen (mehrmalige „Arschbombe des Monats“ in der RockHard), hat sich die Combo letztlich doch als feste Größe im Mittelalter-Metier etabliert. In Anbetracht des freudigen Ereignisses haben wir uns mit Prinz R. Hodenherz III. (Hodi), der sonst für Dudelsäcke und Flöten zuständig ist, zu einem kleinen Plausch über Lernprozesse, Frauenquoten und Rollenbilder getroffen.

 

Seit zehn Jahren seid ihr nun erfolgreich auf den Bühnen Deutschlands und darüber hinaus im Mittelalter-Genre etabliert. Welche tiefgreifenden Erkenntnisse habt ihr in dieser Zeit gewonnen?

 

Hodi: „Wir haben alle richtig viel für’s Leben gelernt. Zum Beispiel, dass man nach dem Auftritt stinkende Stiefel im Hotelzimmer zur Vermeidung von Gasvergiftung einfach in den Schrank einsperren kann. Oder dass der Hauptmann niemals Eier frühstücken sollte (Stichwort: ‚Herren der Winde’). Oder dass in der Cola von Hans dem Aufrechten immer Havana Club mit drin ist. Zitat vom Hauptmann dazu: ‚Ja, richtig, Schande über ihn, kein Met! Er behauptet, davon kann man nicht mehr Gitarre spielen. Aber Met und Gitarre spielen, passen super zusammen! Ich kann’s doch auch! Zumindest drei Akkorde … G-Dur, A-Moll und ähm … hab ich vergessen’.“

 

Die neue Live-DVD enthält vermutlich so einige Überraschungen. Auf was können sich die Fans freuen?

 

Hodi: „Auf eine perfekte Erinnerungsstütze für einen wahrhaft würdigen Party-Abend. Da waren zum Beispiel unsere Gäste: Vito C. (JBO), Thomas Lindner (Schandmaul), Tobi Heindl (Fiddler’s Green) und der Tod. Das alles mit drei (!) Miezen auf der Bühne und sechs Feuerschwänzen, die eine Best-of-Liste aus zehn Jahren Bandgeschichte präsentieren. Vom ersten Song des ersten Albums bis zum neuesten Album „Auf’s Leben“ alles dabei. 200% geil!“

Gibt es auf der DVD nur den Konzert-Mitschnitt vom April 2014 in Erlangen zu sehen oder habt ihr auch altes Material ausgegraben?

 

Hodi: „Es gibt kein altes Material. Dafür umso mehr neues. Live-DVD, Live-CD und in der Limited Edition das Hörspiel ‚Gods Of Met’. Live aufgeführt und aufgenommen mit den erlauchten Gästen Thomas Lindner (Schandmaul), Holly Loose (Letzte Instanz), Dominik (Metusa) und Su Ehlers (Ex-Haggard).“

 

Polarisation ist für euch kein Fremdwort und Feministinnen hätten vermutlich ihre wahre Freude an euch. Inwieweit war dieser Weg der Provokation auch Taktik?

 

Hodi: Mir ist schon oft aufgefallen, dass bei Feuerschwanz eine viel höhere Frauenquote herrscht als bei den meisten anderen Bands. Wir haben Johanna, die zählt doppelt, und drei Miezen. Das macht fünf Frauen gegen viereinhalb Männer! Felix Taugenix zählt nur halb. Er ist ein Fliegengewicht und Bassist. Wir haben also eine absolute Frauenmehrheit! Ein Vorbild für Deutschland und die Welt! Die Feministinnen sollten uns dankbar sein! Was die Geschlechterrollen angeht, kommt bei uns leider kein Geschlecht besonders gut weg. Wir benutzen gerne Klischees und Geschlechter-Stereotype, um uns schlichtweg lustig zu machen.“

 

Im Zuge der Gleichberechtigung: Wann gibt es bei euch auch endlich halbnackte männliche Tänzer auf der Bühne? Met und Macker klingt doch mindestens genauso gut wie Met und Miezen.

 

Hodi: „Haben wir doch?! Wir haben die Musiker: Hauptmann, Hodi, Hans, Lanze und Johanna – und wir haben den halbnackten Felix Taugenix mit seinem Tieftondingsbums.“

 

Durch die Überzeichnung eurer Bühnenrollen könnte man ja durchaus auf eine Persiflage auf real existierende Rollenbilder schließen. Wie tiefgreifend ist Feuerschwanz? Was würden Psychologen sagen?

 

Hodi: „Richtig. Ich denke, ein gesundes Maß an Humor auch in schwierigen Zeiten zu bewahren, zeugt von wahrer Größe. Und das ist die Botschaft, die wir in unseren Geschichten vermitteln wollen. Ich habe übrigens einen Psychologen in der Familie. Er findet’s doof.“

 

Die Glorifizierung von Met ehrt euch. Schon einmal über eine Kooperation mit dem Deutschen Imkerverband nachgedacht? So im Sinne von „Saufen für den guten Zweck“?

 

Hodi: „Tatsächlich ist der weltweite Bienenbestand akut gefährdet! Was fatale Auswirkungen auf die Natur und auf uns Menschen haben wird. Deshalb unsere Leitsprüche: Bienen haben Vorfahrt. Met für alle. Und meinetwegen auch Saufen für den guten Zweck.“

 

Mit welcher Band würdet ihr gerne mal eine Jam-Session machen?

 

Hodi: „Wir haben sehr verschiedene Interessen in der Band. Ich würde gerne mal mit der Black-Sabbath-Besetzung aus der Zeit mit Ronnie James Dio spielen. Der Hauptmann würde vermutlich gerne mal mit Matthias Reim singen. Lanze mit Deichkind. Hans mit Joe Satriani (Gitarren- Dudeldudeldudel). Johanna mit dem Esel aus Shrek (‚I’m A Believer’) und Felix kennt keine anderen Bands außer Feuerschwanz.“

 

Stellt euch vor, ihr hättet die Fähigkeit, einen Gedanken ins Hirn der Menschen zu pflanzen. Welcher Gedanke wäre das?

 

Hodi: „Um einen in seiner transzendentalen Sinnhaftigkeit wahrhaft göttlich-gleichmütig anmutenden Ausspruch der letzten Platte zu zitieren: Blöde Frage – Saufgelage!“

 

Wie geht es bei euch weiter? Was habt ihr geplant für die nächste Zeit?

 

Hodi: „Gerade ist ein neues Video in der Mache! Das wird wohl das durchgeknallteste, was wir je fabriziert haben. Außerdem der Live-DVD-Release und natürlich der zweite Teil der „Auf’s Leben“-Tour!“

 

Carina Usko

www.feuerschwanz.de

26 März 2015

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