In Flames – Den Verlockungen widerstehen

In Flames – Den Verlockungen widerstehen

Die schwedischen In Flames galten Anfang der 90er-Jahre als Begründer des Göteborg-Sounds, des Subgenres Melodic Death Metal. Im 25. Jahr ihres Schaffens setzen sie sich mit ihrem elften Studioalbum, „Siren Charms“, von den unzähligen Nachahmern deutlich ab und sind dennoch unverwechselbar In Flames geblieben.

„Nachdem wir unser eigenes Studio verkauft hatten, machten wir uns auf die Suche nach einer Alternative, und das Angebot aus Berlin hörte sich wirklich reizvoll an“, erklärt Schlagzeuger Daniel Svensson den Grund, warum die Band für die Aufnahmen zu „Siren Charms“ ihrer schwedischen Heimat den Rücken kehrte. „Wir waren vorher zwar auch schon einmal in Dänemark, aber das legendäre Berliner Hansa Studio ist wirklich ein sehr spezieller Ort. Wir haben den Spirit der Großen förmlich spüren können, wie zum Beispiel David Bowie, Iggy Pop und U2. Das hatte mit Sicherheit Auswirkungen auf das Ergebnis unserer Arbeit. Wir hatten das Gefühl, ein Teil von etwas ganz Besonderem zu sein. Auch die Stimmung in der Stadt im November war sehr intensiv. Ich glaube, dass wir noch nie so melancholisch klangen.“

Die Grenzen des melodischen Death Metal haben In Flames ohnehin längst überschritten. 2014 klingt das Quintett erwachsen, gefestigt und gereift. „Zum Glück haben wir sehr loyale Fans, die unsere neuen Platten dankbar annehmen. Es gibt aber natürlich auch immer Leute, die mit unserer Entwicklung nicht Schritt halten wollen. Ich glaube aber, dass man mit diesem Problem leben muss, wenn man als Band einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat“, beurteilt der Schlagzeuger die Strapazierfähigkeit der In-Flames-Anhängerschaft. „Aber am Ende ist es schließlich unsere Gruppe, und wir müssen das machen, was uns gefällt, damit wir ehrlich und authentisch bleiben.“

Die Zeiten, in denen Mitglieder von In Flames – wie auch viele andere skandinavische Musiker ­– massiv dem Alkohol zugesprochen haben und damit schlecht gefahren sind, gehören definitiv der Vergangenheit an. Auf die Frage, welchen Versuchungen die Band heute erliegen könnte, erklärt Daniel, dass der Albumtitel „Siren Charms“ rein sinnbildlich zu verstehen sei. „In unserem Alltag begegnen wir tagtäglich den unterschiedlichsten Verlockungen und Ablenkungen, die uns von unseren eigentlichen Aufgaben entfernen, dabei aber ins Nichts führen. Diese Verschiebung des Fokus, weg vom Wesentlichen, hinein ins Sinnlose, das oft auch nur bloße Zeitverschwendung ist, ist nicht ungefährlich und sollte jedem bewusst sein.“

Daniel, Ehemann und Vater von drei Kindern, freut sich schon auf den Tourstart im September. Wie lange sie diesmal unterwegs sein werden? „So lange wie möglich! Das ist der Grund, wieso wir Alben aufnehmen“, merkt man ihm seine Begeisterung an. „Mit der letzten Platte waren wir zweieinhalb Jahre lang unterwegs. Obwohl das Tourleben oft auch langweilig ist“, räumt er ein, „ändert sich das alles, sobald wir auf der Bühne stehen.“

Kerstin Vielguth
www.inflames.com

10 September 2014

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