Lisa Morgenstern – Gefühlskino

Lisa Morgenstern – Gefühlskino

Nur mit Piano, Stimme und etwas Elektronik bewaffnet, erschafft Lisa Morgenstern Songs, die sich tief in die Seele des Hörers einbrennen. Waffenscheinpflichtig ist das aktuelle Debütalbum „Amphibian“ dennoch nicht.

Erschienen Ende 2013, hat der Longplayer nach seiner Veröffentlichung Medien wie Fans gleichermaßen zu Kniefällen verleitet, dass es Lisa glatt die Sprache verschlug. „Wenn man alles gibt, um über einen langen Zeitraum ein Ziel zu erreichen und es dann plötzlich da ist, scheint man völlig unfähig, es mit entsprechender Freude und Dankbarkeit zu würdigen“, sagt sie demütig. „Positive Kritiken, volle Konzerte und lobende Post – das ist etwas sehr Befremdliches, weil man das gar nicht realisieren kann. Ich freue mich über jedes kleine Krümelchen Resonanz wie ein Kind und habe trotzdem immer das Gefühl, dass es nicht ausreicht.“ Angst, dass die Künstlerin abhebt, braucht man also nicht zu haben, denn sie kennt auch die Kehrseite der Medaille. „Wenn man jene Zeit durchgehalten hat, in der einem hauptsächlich mit Skepsis und Unverständnis begegnet wurde, und man sich davon nicht aufhalten ließ, weiß man Komplimente sehr zu schätzen“, gibt sie zu bedenken. „Letztendlich war der Antrieb auch nicht, ein Star zu werden, sondern das Bedürfnis, lediglich ein Album in die Welt zu setzen – eines, das antastbare, aber nicht immer bequeme Gefühle nach außen trägt.“ Musikalische Vergleiche fallen da schwer. Ob Soap & Skin, die dunkle Seite von Tori Amos oder Lana Del Ray – diese Vergleiche kratzen alle nur an der Oberfläche, denn Lisas Musik ist nicht nur tiefsinnig, hochemotional und virtuos, sondern auch eigenständig. Der Abstand zum eigenen Schaffen fällt ihr indes schwer. „Erst seit Kurzem kann ich das Album wirklich vorbehaltlos anhören, als wäre es gar nicht von mir“, verrät sie. Es ist ihr sogar unangenehm, die eigene Musik im Beisein anderer zu hören. „Dann begebe ich mich urplötzlich in die Küche, um abzuwaschen. Und ich hasse Abwaschen“, lächelt sie. Woher das Besondere in ihren Songs kommt, kann Lisa nicht beantworten. Sie betont: „Ich habe nicht das Gefühl, etwas zu versuchen, sondern es einfach zu machen. Ich will mich nicht in irgendeiner Form abheben. Konkurrenzdenken und beabsichtigtes Anderssein sind beim Schöpfen und Erschaffen von Musik oder Kunst im Allgemeinen völlig fehl am Platz. Genau wie beabsichtigtes Nachahmen. Man muss frei von beidem sein.“ Derzeit arbeitet Lisa Morgenstern an neuen Songs und zeigt sich selbst überrascht von ihrem hohen Output. „Ich hatte lange keine Zeit zum Liederschreiben, was mich so gequält hat, dass ich strikte Maßnahmen gegen die Zeit fressenden Ursachen unternehmen musste“, verrät sie. „Jetzt verbringe ich regelmäßig die Nächte im Studio am Flügel und zwinge mich dazu, noch nicht auf ‚Record’ zu drücken, um den Stücken Luft zu lassen, sich zu entwickeln.“ Dabei sein wird auch künftig wieder Lisas musikalischer Dauergast Benni Cellini (Letzte Instanz) am Cello. Bezüglich des neuen Materials verspricht sie abschließend: „Es wird bunter, leuchtender – aber auf keinen Fall an Tiefe verlieren.“ Wie beruhigend.

Sascha Blach

www.lisamorgenstern.de

27 Juni 2014

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