Private Line – „Ich bin der Weihnachtsmann“

Private Line – „Ich bin der Weihnachtsmann“

Kürzlich absolvierten Sammy (Gesang, Gitarre) und Ilari (Gitarre) von der finnischen Rockband Private Line eine kurze Promotour durch Deutschland, um ihre neue DVD „Acoustic Studio Live 2014“ vorzustellen. So auch am 11. Dezember 2014 in Köln. Vor ihrem Duo-Konzert im Kulturcafé Lichtung baten wir die beiden Musiker zum Interview.

NEGAtief: Wie läuft die Tour für euch?

Sammy: Bisher wirklich gut, dabei hatten wir keine hohen Erwartungen gestellt. Wir tun dies, da wir gerade unsere DVD veröffentlicht haben. Diese wollen wir den Leuten vorstellen und ein paar Töne daraus präsentieren, allerdings wirklich reduziert, da wir nur zu zweit sind. Auf der DVD tritt hingegen die komplette Band in Erscheinung plus Cello, Keyboards …

NEGAtief: Ihr habt Gastmusiker?

Sammy: Ja. Deshalb ist die Show heute komplett anders, weil wir wie gesagt nur zwei Musiker sind. Das ist zugleich eine Herausforderung und wir werden sehen, wie die Zuschauer reagieren.

NEGAtief: Wo ist denn der Rest der Band?

Ilari: Daheim. Eigentlich ist es eine gute Sache, dass wir nur zu zweit sind. Vor einigen Jahren klapperten wir zwar die gleichen Orte mit der ganzen Band ab, doch diesmal gab es irgendwie keinen Grund, erneut mit der gesamten Besatzung aufzuschlagen und die DVD zu promoten. Zu zweit macht es auch Spaß!

Sammy: Wenn wir diese Akustiksache mit der gesamten Band machen würden, hätten wir auch gerne den Keyboarder dabei, damit alles perfekt ist. Aber es war irgendwie schwierig, sämtliche Terminpläne der Jungs zu koordinieren. Deshalb machen wir es einfach so wie jetzt.

NEGAtief: Und ich vermute, die Jungs haben auch alle Jobs daheim …

Sammy: Ja. Mit der gesamten Band wollen wir auch eher die richtigen Rockshows mit der elektrischen anstatt akustischen Musik spielen.

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NEGAtief: Wie kam die Idee zustande, eine Akustik-DVD aufzunehmen?

Sammy: Hier und da haben wir schon einige Akustikshows gespielt. Das waren immer wirklich nette Erfahrungen. Und man fragte uns ständig, wie man die Songs auch daheim anhören könnte. So dachten wir darüber nach, eine Akustik- oder Bonus-CD zu erstellen. Diese wollten wir allerdings eher live aufnehmen, zumal wir die Akustiksache bis dato immer nur auf Live-Events präsentiert hatten. Dieses Gefühl wollten wir auf Band festhalten. Deshalb dachten wir: „Warum nehmen wir das Ganze nicht live auf? Und wenn wir das schon live machen, warum nicht auch mit Bildern?“ So wurde es letztlich eine DVD und wir nahmen 14 Songs in zwei Tagen auf. [grinst]

NEGAtief: Wann und wo habt ihr die DVD produziert?

Sammy: Das geschah in den East Sound Studios. Ich arbeite dort, das ist mein eigenes Studio. Somit fiel die Entscheidung leicht, das Ganze dort zu machen. Juha Hanhinen war der Regisseur – er ist ein Freund von uns und hat beispielsweise auch das „Deathroll Casino“-Video produziert. Als ich ihm von der Idee berichtete, eine DVD zu machen, sagte er „Yeah, lass‘ es mich tun!“. So nahmen wir an einem Wochenende so viele Songs wie möglich auf und pickten am Ende 14 heraus.

NEGAtief: Ihr habt also nicht direkt zu Beginn entschieden, welche Songs auf die DVD kommen?

Sammy: Wir hatten noch nicht einmal eine konkrete Setliste vorliegen, sondern nur eine Idee im Kopf und hätten auch noch mehr Songs ausgewählt, wenn wir die Zeit gehabt hätten. Aber auch schon die 14 Songs waren mehr, als ich mir vorgestellt hatte. Wir wollten keinen Song runterschmeißen, denn unserer Meinung nach waren sie alle gut geworden. Diese Live-Akustik-Aufnahmen sind sehr ehrlich, aber natürlich haben wir sie später noch gemixt und unser Regisseur hatte viel zu schneiden. Wir haben alles bereits im Januar aufgenommen.

NEGAtief: Was waren die Herausforderungen beim Filmen?

Sammy: Der Zeitplan und diese Live-Sache. Wir nahmen von jedem Song drei Takes auf. Es gab also jede Menge für denjenigen zu tun, der nachher alles schneiden durfte. Am Ende waren es wie gesagt 14 Videos, aber die Schnitte innerhalb der Videos sind natürlich nicht so schnell wie in einem regulären Musikvideo. Tatsächlich war es ein wirklich lustiges Wochenende und ich bin von den Ergebnissen begeistert.

NEGAtief: Wie habt ihr die Akustikarrangements in Angriff genommen?

Sammy: Wie erwähnt, haben wir schon zuvor ein paar Akustikshows gespielt, somit wussten wir, wie man solche Versionen kreiert. Außerdem haben Ilari, Japa und ich vor anderthalb Jahren eine Akustiktour in Deutschland absolviert – für diese hatten wir bereits viele Songs geprobt und arrangiert. Einige Versionen auf der DVD entstammen jener Zeit – wir fügten lediglich Drums usw. hinzu.

NEGAtief: Was sind eure Lieblingssongs auf der DVD?

Sammy: Da gibt es viele. Nehmen wir das Beispiel „Gods Of Rewind“, wenn du solch einen Song elektrisch spielst, treten stets so viele verzerrte Gitarren in Erscheinung, dass Melodien untergehen. Aber wenn du den Song in einem „kleineren“ Arrangement präsentierst, kommen die Melodien besser zur Geltung. Außerdem: Wenn man akustisch spielt, hört jeder zu. Dann kann man die Songs sogar der Großmutter präsentieren. [Gelächter]

NEGAtief: Hast du einen Favoriten, Ilari?

Ilari: Ich hab’s versucht, kann aber keinen Song herauspicken. Schwer zu sagen.

NEGAtief: Gibt es irgendeinen Private-Line-Song, der nicht als Akustikversion funktionieren würde?

Sammy: Man kann einen Song immer arrangieren, aber wir haben es noch nie mit Liedern wie „Prozac Nation“ probiert. Wir könnten es mal versuchen und einen Country-Song daraus machen. Die meisten Songs sind melodisch, deshalb ist mit ihnen alles möglich. Es wäre schön gewesen, „Anyway“ vom Album „Evil Knievel Factor“ auf der DVD zu haben. Aber ich glaube, der Song war die Nummer 18 auf der Liste, und so weit sind wir in zwei Tagen nicht gekommen. [lacht]

NEGAtief: Welche Akustikalben von anderen Bands mögt ihr?

Sammy: Als ich jung war, mochte ich z.B. „G N‘ R Lies“ von Guns N‘ Roses total gerne. Aber zuerst habe ich natürlich „Appetite For Destruction“ gehört. Als die Jungs dann zeigten, dass sie auch düstere akustische Songs spielen können, haben sie mich als Band überzeugt.

Ilari: Ich mag selbstverständlich „American Recordings“ von Johnny Cash. Diese Platte muss man einfach mögen, sonst stimmt irgendwas nicht mit dir.

NEGAtief: Seit dem letzten Studio-Album „Dead Decade“ sind drei Jahre ins Land gezogen. Arbeitet ihr bereits an neuem Material?

Sammy: Ja. Wir haben schon viel gutes Material zusammen und sollten nun mit den Arrangements beginnen. Das wird hoffentlich bald der Fall sein. Aber ich muss zugeben, dass ich in den letzten Jahren nicht sehr produktiv war, da ich zu viele andere Dinge um die Ohren hatte. Dafür haben die anderen Jungs ein paar Ideen zusammengetragen, obgleich ich der „Motörhead“ von Private Line bin. [Gelächter] Ich bin der Sänger und kümmere mich normalerweise auch um die Melodien. Ich checke also die Ideen der anderen, die mir gefallen, und schreibe ein paar Songtexte. Auf diese Weise bin ich wie ein Filter. Aber grundsätzlich beteiligt sich jeder. Ehrlich gesagt haben mich die Jungs ein wenig überrascht: Als ich ihnen mitteilte, dass ich nicht so viel Material wie sonst hätte, meinten sie: „Lass‘ uns mal schauen, was wir haben!“. Und ich daraufhin: „Was zum Teufel…? Das ist so viel Material – und ich muss es alles filtern.“

PrivateLine_11.12.14Köln_Interview (1)_ba_1000_logoNEGAtief: Welche Richtung wird das neue Album einschlagen?

Sammy: Natürlich ist es noch zu früh, eine Einschätzung abzugeben, aber wir haben darüber mit der Band gesprochen. Wir würden einfach gerne ein gutes Rockalbum machen.

Ilari: Eines, das vorangeht …

Sammy: Vielleicht nicht ganz so facettenreich, dafür eher mit dem wahren Sound der Band. Ich denke, wir haben dafür ein gutes Selbstgefühl. Nur beim letzten Album gestaltete es sich etwas schwierig. Es hat zu lange gedauert und wir nahmen alles selbst in die Hand. Ein harter Prozess, aber ich bin dennoch glücklich mit dem Ergebnis. Ich mag das „Dead Decade“-Album wirklich. Es ist düsterer als die Vorgänger und darauf gibt es Songs wie „Black Swan“ zu finden, die leicht und schnell aus der Feder geflossen und wirklich rockiger sind. Aber es ist seltsam, dass wir Songs wie „Black Swan“ und „Ghost Dance“ auf das gleiche Album packen können, und es hört sich immer noch nach Private Line an. Vielleicht gab dies uns das Selbstgefühl: Wir können alles tun, was wir wollen, denn es wird immer nach Private Line klingen.

NEGAtief: Was habt ihr für den Rest des Jahres geplant?

Sammy: Wir werden an Silvester in Bar Bäkkäri in Helsinki mit der gesamten Band einen „elektrischen“ Gig spielen. Ansonsten steht noch nicht so viel an.

NEGAtief: Wie werdet ihr Weihnachten verbringen?

Sammy: Ich bin der Weihnachtsmann. Wußtest du das nicht? Ich bin es wirklich! Es gibt also viel zu tun. [lacht]

NEGAtief: Und wo ist dein Bart?

Sammy: Zuhause. Ich arbeite wirklich als Weihnachtsmann, aber nicht für meine Kinder – sie sind grade mit ihrer Mutter in Indien. Ich werde also eine entspannte Zeit haben, da ich sie dieses Jahr nicht an Weihnachten sehe.

NEGAtief: Was ist mit dir, Ilari?

Ilari: Ich weiß es noch nicht. Ich vermute, wir werden mit der Familie einen netten Ort aufsuchen, wo es ruhig ist und hoffentlich Schnee liegt.

NEGAtief: Du feierst also nicht daheim?

Ilari: Ich weiß es nicht. Das wäre eine Möglichkeit. Wir haben uns entschlossen, uns deswegen keinen Stress zu machen.

NEGAtief: Sind Weihnachtsgeschenke für euch eine wichtige Sache?

Ilari: Selbstverständlich. Normalerweise kaufe ich alles an einem Tag.

Sammy: Ich mache mir wegen der Geschenke keinen Stress. Ich bin ein fauler Typ. Für meine Kids werde ich natürlich was besorgen, aber ich habe ja schon meinen Job als Weihnachtsmann, das reicht.

NEGAtief: Was können wir von der heutigen Show hier in Köln erwarten?

Ilari: Grundsätzlich werden wir die Songs von der DVD präsentieren und erwarten eine wirklich intime Show.

Interview & Fotos: Lea Sommerhäuser

www.privatelineweb.com

16 Dezember 2014

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