Qntal – Das verflixte siebte Mal

Qntal – Das verflixte siebte Mal

Auf dem nunmehr siebten Qntal-Studioalbum, „Qntal VVI“, weht ein frischer Wind. Philipp „Fil“ Groth hat die Band im Vorfeld verlassen und so musste sich Mastermind Michael Popp nach neuen Lösungen umsehen, um die elektronische Seite der Band elegant zum Klingen zu bringen. Wie er die Aufgabe gelöst hat, verriet er uns im Interview.

„Fil hat persönlich eine schwere Zeit durchgemacht und sich im Laufe der Zeit einfach in andere Richtungen orientiert. So kam es dann irgendwann zur Trennung“, berichtet der Multiinstrumentalist. „Wir haben aber die Geduld nicht verloren und am Ende mit Leon Rodt eine Super-Lösung gefunden und das siebte Album fertig gebracht – ich finde, es ist eines unserer besten.“ Leon kennt Michael schon länger, da sie in München fast Nachbarn sind, nur mit Qntal hatte er ihn zuvor nie in Verbindung gebracht. „Irgendwann kamen wir über Qntal ins Gespräch und dann ging alles ganz schnell“, so Michael. „Was vorher Jahre gebraucht hatte, ging plötzlich in wenigen Tagen und Wochen. So etwas passiert einfach manchmal im Leben. Und nach zwei, drei Monaten war das Album fertig. Die bisherigen Reaktionen bestätigen uns voll, den richtigen Mitmusiker gefunden zu haben.“

Frischer Wind

Den frischen Wind macht Michael, der weiterhin für den mittelalterlichen und folkloristischen Instrumentenpark zuständig ist, vor allem an einer Zunahme moderner Elemente und einer größeren Abwechslung fest. Gleichzeitig sei das Album „runder und stimmiger als die Produktionen davor“. Und welches Element kommt zuerst, die akustische Seite oder die Elektronik? „Da gibt es keine Formel. Es passiert vieles aus dem Bauch heraus und auch der Zufall spielt eine gewisse Rolle. Es war halt unsere ursprüngliche Idee bei der Gründung von Qntal, die beiden Stile zu verknüpfen und damit eine neue Stilrichtung zu begründen. Ich denke, die Elektronik spielte schon immer die erste Geige und das ist auch gut so. Mit der akustischen Musik können wir uns bei unseren anderen Bands, Estampie vor allem, austoben.“ Fest dabei und somit auf den Fotos zu sehen ist nun auch Mariko, die Qntal, VocaMe und Estampie live schon seit einigen Jahren unterstützt und nun dafür die „Quittung“ erhielt. „Ja wir haben gedacht, es ist an der Zeit, dass sie auch optisch mit ins Bild kommt“, so Michael. „Das ist auch ein Zeichen der Anerkennung ihrer Arbeit für uns.“

Folk vs. Elektronik

Die ersten Songs für „Qntal VII“ hatte Michael schon vor einigen Jahren geschrieben, die Schwierigkeiten lagen eher in der Produktion. Doch der Bayer sieht das als positive Herausforderung. „Ich glaube, allgemein gesprochen wird es immer schwieriger, etwas zu produzieren, das dem Alten ähnlich und doch etwas Neues sein soll“, überlegt er. „Im Fall von Qntal ist das aber anders, weil wir sowieso viele Freiheiten für uns beanspruchen, die die Arbeit extrem abwechslungsreich machen. Es gab schon immer Songs, die mittelalterlich klingen, andere sind stark elektronisch geprägt, wieder andere tanzbar. Auch Soundcollagen und gesprochene Texte gibt es bei uns hin und wieder. Insofern ist es für uns kein Problem, sondern eine angenehme Herausforderung, das Qntal-Projekt immer wieder neu zu beleben.“ Nun ist Qntal nicht die einzige Band der beteiligten Musiker, denn auch bei Estampie, VocaMe und dem Al Andaluz Project sind sie aktiv. Doch wer nun glaubt, dass zwischen den Bands munter Songs hin und her getauscht werden, liegt falsch. „Wir konzipieren erst die gesamte CD, das heißt, es ist von vorneherein klar, für welche Band gerade komponiert wird“, so der Münchner. „Die Arbeitsweisen und auch die Besetzung sind verschieden, deshalb sind es schon grundsätzlich völlig unterschiedliche Dinge, ob ich nun für Qntal, Estampie oder gar VocaMe arbeite.“

Rock mit alten Instrumenten

Mitunter klingen Qntal auf ihrem neuen Longplayer sogar regelrecht rockig – bestes Beispiel ist das vorab im Netz vorgestellte „Frühlingslied“. „Es gibt auf dem ganzen Album keine Gitarren“, überrascht Michael. „Das sind alles alte Instrumente wie Bouzouki, Saz, Lavta usw. Dass das Ergebnis als ‚rockig’ empfunden wird, finde ich allerdings schon zutreffend und das stört mich gar nicht. Wir hatten auch früher schon Songs in der Art, was aber nicht heißt, dass das eine generelle Linie auf dem Album darstellt. Es gibt wie immer total unterschiedliche Arten von Songs.“ Eine Überraschung ist auch der illustre Sänger im „Frühlingslied“. „Der Sänger bin ich selber“, grinst Michael. „Wenn ich Songs komponiere, singe ich die Melodien normalerweise als Dummy ein, damit Syrah versteht, was ich mir vorstelle. Als ich Syrah ‚by the light of the moon’ vorstellte, meinte sie sofort, dass mir der Song gut liege und sie nicht sicher sei, ob sie das besser machen würde. Erst dachte ich, das wäre nicht ernst gemeint, aber nach und nach habe ich mich mit dem Gedanken angefreundet und so blieb es bis zum Schluss dabei.“

Der Bogen zu den Anfängen

Dass „Qntal VII“ im Gegensatz zu den Vorgängern keinen Untertitel hat, ist indes nicht der Einfallslosigkeit der Musiker geschuldet, sondern der Nostalgie. „Syrah wollte einen Untertitel haben, ich dachte mir aber, es wäre an der Zeit, den Bogen zu den ersten beiden Alben zu schlagen, die auch einfach ‚I’ und ‚II’ hießen“, verrät Michael. Entsprechend liegt dem Werk auch kein textliches Konzept zugrunde. „Nein, wir hatten anfangs eines im Kopf, das hatte mit Tieren und Fabeln zu tun, aber im Laufe der Arbeit wurde das wieder verworfen. Das Thema hätte die Vielseitigkeit auf dem Album zu sehr eingeschränkt.“ Und woher stammen die Texte? Sind es eigene Texte oder traditionelle Lyrics? „Hier gibt es einige Neuerungen: Erstens ist die CD nach Textherkunft gegliedert. Zuerst englische, dann deutsche, französische und schließlich ein lateinischer Text. Zweitens sind die englischen Texte nicht im Mittelalter, sondern im 18. oder 19. Jahrhundert entstanden, dazu passt dann auch das Cover (zu sehen ist ein bearbeitetes Gemälde von John Waterhouse aus dem 19. Jahrhundert – Anm. d. A.). Drittens ist auch ein moderner Text dabei (‚Schnee’). Dieser stammt von Markus Heiz, der unter seinem Künstlernamen Mahet Fantasy-Bestseller-Autor ist. Ich denke, dass das in Zukunft eine größere Bedeutung haben wird. Wir haben schon mit befreundeten Kollegen gesprochen, ob sie in Zukunft mal einen Songtext für uns schreiben würden.“

Doch das wäre eher ein Thema für den Nachfolger „Qntal VIII“ …

Sascha Blach

www.qntal.de

7 November 2014

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