20. Tuska Open Air Metal Festival (01.07.2017, Helsinki, Suvilahti) – Tag 2

20. Tuska Open Air Metal Festival (01.07.2017, Helsinki, Suvilahti) – Tag 2

Der zweite Tuska-Festivaltag im finnischen Helsinki zeigte sich erneut von seiner bewölkteren Seite und Jacken waren hier durchaus nicht fehl am Platz, doch hatte das graue Wetter keinerlei Einfluss auf die Feierlaune der Tuska-Besucher. Ihnen wurde abseits der musikalischen Auftritte auch einiges an Rahmenprogramm geboten: angefangen bei Autogrammstunden, über Corpse-Painting bis hin zu einer Tuska-Ausstellung mit den Festivalplakaten der letzten 20 Jahre.

Und auch für das leibliche Wohl wurde natürlich gesorgt. Neben kostenloser Trinkwasserversorgung konnten sich die Metal-Heads im mobilen Alepa-Store mit verhältnismäßig „günstigen“ Nahrungsmitteln und Getränken eindecken oder auf das Bierangebot in den abgegrenzten „Trinkbereichen“ zurückgreifen. Wer das passende Kleingeld dabei hatte, konnte natürlich auch auf der Fressmeile des Festivals zuschlagen, die diesmal in die Nähe des Eingangsbereichs verfrachtet wurde. Mit mindestens zehn Euro im Gepäck war man in der Regel dabei. Nur aufgepasst! Die Möwen, die täglich über dem Gelände kreisten, waren sehr gierig und schnappten sich die Leckerbissen der Festivalbesucher direkt aus deren Händen.

Musikalisch eröffnet wurde der zweite Festivaltag von LIK aus Stockholm – mit Katatonias Bassist Niklas Sandin – und den Stonern Alabama Kush. Doch etwas voller wurde es erst gegen 14:15 Uhr, als Avatarium die Tent Stage in Beschlag nahmen. Heavy, düster und poetisch gestaltete sich der Auftritt der schwedischen Band um Frontfrau Jennie-Ann Smith, die immer wieder zur A-Gitarre griff. „It’s our first time in Helsinki“, so die blonde Sängerin. „I’m glad that I had the chance to see the city – it’s beautiful.” Wer in den hinteren Reihen Platz gefunden hatte, bekam hier dennoch jede Bewegung auf der Bühne mit, denn der Auftritt wurde – wie schon die vorherigen Shows auf der Tent Stage – auf zwei große Leinwände rechts und links von der Bühne projiziert. Avatarium erfreuten die Zuschauer mit Songs wie „A Kiss (From The End Of The World)“ und dem schweren, doomigen „Moonhorse“.

Wem das alles zu „weich“ war, konnte sich im Anschluss auf der Hauptbühne bei Impaled Nazarene die nötige Portion „Geknüppel“ abholen. Die Zuschauerzahl blieb zu jener „frühen“ Stunde jedoch überschaubar. Zur gleichen Zeit spielten auf der Indoor-Bühne Paara, die dem Publikum finnischen Black Metal auftischten – mit durchaus melodischen Momenten. Doch richtig voll wurde es erst, als Mokoma ihre energiegeladene Show auf der Tent Stage präsentierten. Für Nicht-Finnen zwar nicht unbedingt verständlich, doch die melodischen Kracher machten irgendwie Laune. Kein Wunder, dass die Festivalbesucher von Anfang an ihre Fäuste erhoben und Circle Pits starteten.

Der progressive Dark Metal mit langen Instrumental-Parts von Throes Of Dawn überzeugte mit epischer Weite, während Sleep Of Monsters – ebenfalls auf der Inferno Stage – mit einem kleinen Frauenchor anrückten. Mit insgesamt zehn Personen wurde es da schon recht eng auf der Bühne, doch der viktorianische Post Punk bzw. Adult Occult Rock – so wie die Band ihre Musikrichtung nennt – kam gut beim Publikum an. Energiegeladen ging es derweil auf der Zeltdachbühne zu, denn hier stürmten Lost Society über die Bretter. Der Thrash Metal der jungen Finnen fand wieder einmal großen Anklang und vor allem Frontmann und Sänger Samy Elbanna, der sich bei seinen Gitarrensoli immer wieder auf ein Podest am Bühnenrand stellte, wurde kaum aus den Augen gelassen.

Im direkten Anschluss spielten parallel die finnische Metal-Band Mind Riot auf der Inferno Stage sowie Soilwork auf der großen Hauptbühne. Die schwedische Melodic-Death-Metal-Band wollte auf jeden Fall, so der Sänger, für „tropisches Klima“ sorgen. Und das gelang dem Sextett mit Bravour. Schon recht früh bildete sich ein Circle Pit in der Menge und Songs wie „Death In General“ wurden klatschend von den Zuschauern begleitet. Dagegen wirkte der doomig-schwarzmetallische Auftritt von Electric Wizard etwas zäh. Außerdem lenkten die etwas verstörenden, teils sadomasochistischen Videos auf den Leinwänden neben der Bühne vom eigentlichen Geschehen ab. Vielleicht nicht jedermanns Geschmack, doch gut an kam die Musik dennoch. Der Auftritt von Fear Of Domination muss aber wohl noch besser gewesen sein, denn die Zuschauer quillten bis zur Tür der Inferno-Halle heraus. Da hatte man keine Chance, sich noch dazwischen zu quetschen.

Viele Festivalbesucher schlenderten somit schon einmal zur Hauptbühne, wo von 20 bis 21 Uhr Amorphis sich die Ehre gaben. Und die hatten es wahrlich drauf, das Publikum bei Laune zu halten – trotz des plötzlich einsetzenden Nieselregens. Neben einigen Songs vom aktuellen Album „Under The Red Cloud“, dessen Cover im Hintergrund der Bühne prangte, z.B. „Sacrifice“, „Bad Blood“ und „Death Of A King“, rockten die Finnen auch „Silver Bride“ und „Into Hiding“. Das Ganze immer wieder von Feuerfontänen begleitet, die plötzlich vom Bühnenrand in die Höhe schossen. Highlight Nummer 1 des zweiten Festivaltages! Ferner spielten noch Triptykon sowie Demonztrator, die Gas Lipstick (ehemaliger HIM-Drummer) am Schlagzeug verpflichtet hatten.

Headliner des zweiten Festivaltages – und gefühlt auch des gesamten Events – waren HIM, die kurz nach 22 Uhr die Hauptbühne mit ihrem Love Metal überfluteten. Viele Fans nutzten hier die Gelegenheit, die Finnen um den charismatischen Frontmann und Sänger Ville Valo nochmals live zu erleben, zumal HIM in diesem Jahr auf Abschiedstournee gehen. Da verwunderte es nicht, dass die Herren ein wahres Feuerwerk an Hits präsentierten: angefangen bei „Buried Alive By Love“, über die Ohrwürmer „The Sacrament“ und „Wings Of A Butterfly“, das traurig-schöne „Gone With The Sin“, das Cover „Wicked Game“ bis hin zum Nummer-1-Hit „Join Me“, die Gänsehaut-Single „Funeral Of Hearts“ sowie den Kracher „Rebell Yell“. Ville – mit Mütze auf dem Kopf – zeigte sich gut gelaunt und erzählte auch die eine oder andere Anekdote, doch leider nur auf Finnisch. Eine Drohne nahm das Geschehen derweil von oben auf und konnte mit Sicherheit grandiose Bilder einfangen, zumal beim letzten Song „When Love And Death Embrace“ ein minutenlanges Feuerwerk hinter der Hauptbühne veranstaltet wurde. Highlight Nummer 2 des Festivaltages!

Text: Lea Sommerhäuser
Fotos:
© Tuska / Jesse Kämäräinen

www.tuska-festival.fi

9 Juli 2017

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