21. Tuska Open Air Metal Festival (29.06.-01.07.2018, Helsinki, Suvilahti) – Tag 2

21. Tuska Open Air Metal Festival (29.06.-01.07.2018, Helsinki, Suvilahti) – Tag 2

Am zweiten Festivaltag, dem 30. Juni 2018, öffneten die Tore des Tuska Open Airs in Helsinki erneut um 13:00 Uhr und die schwarzgekleidete Masse strömte zeitnah auf das Gelände. Diesmal waren Gojira als Headliner vorgesehen, die zuletzt 2016 auf dem finnischen Metal-Festival gespielt hatten.

Samstag, 30.06.2018:

Neben den ganzen musikalischen Highlights konnten sich die Festivalbesucher natürlich auch über ein umfassendes Rahmenprogramm freuen – darunter zahlreiche Autogrammstunden sowie Panel-Diskussionen im Solmusali. Ferner konnte man sich neben dem mobilen Alepa-Supermarkt für 5 Euro auch wieder ein Corpsepainting verpassen lassen oder sich über eine Metal-Comic-Ausstellung amüsieren. Neben der Hauptbühne im Bar-K18-Bereich gab es sogar eine Sauna, falls jemand Bedarf hatte, sich zwischendurch aufzuwärmen – wobei das Wetter von Tag zu Tag besser bzw. sonniger wurde.

Das musikalische Programm startete diesmal bereits um 13:40 Uhr mit Tyrantti auf der Radio Rock Stage. Das schnauzbärtige Trio mit seinem trällernden Frontmann überzeugte die „Frühaufsteher“ derart, dass nach der Show tatsächlich „We want more“-Rufe über den Platz schallten. Doch Zugaben sollte es auf dem Tuska keine geben.

Erfrischend anders gestaltete sich der Auftritt von Galactic Empire auf der Helsinki Stage. Wer die Band nicht kennt: Hierbei handelt es sich um fünf Musiker in intergalaktischen Kostümen, die sich die bekannten Star-Wars-Songs geschnappt und ihnen ein Metal-Gewand verpasst haben – mit drei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Sehr geil! Und die Ansagen zwischen den Instrumentalstücken kamen von „Darth Vader“, der deutlich Probleme beim Atmen hatte… Ob da die Metaller von Six Inch auf der Inferno-Bühne live mithalten konnten?

Auf der Hauptbühne wurden für den nächsten Act derweil ein großes Banner aufgehängt sowie zwei Aufsteller mit Werwolf-Motiv positioniert. Hier sollte als nächste die Heavy-Metal-Band Beast In Black zum Zuge kommen, die Gitarrist Anton Kabanen 2015 nach seinem Ausstieg bei Battle Beast gegründet hatte. Um 14:50 Uhr war es soweit und das internationale Line-up mit Yannis Papadopoulos am Mikro betrat die Bühne. In einen langen schwarzen Mantel hatte sich der Sänger gehüllt und schlug teils recht hohe Töne an. „Tuska, are you ready for the beast?“, rief er fragend in die Runde, um kurz darauf „Beast In Black“, dicht gefolgt von „Eternal Fire“ anzustimmen – beide Songs um ein Gitarrensolo bereichert. Aber auch das majestätische „Blood Of A Lion“ kam an jenem frühen Nachmittag nicht zu kurz und bei „Crazy, Mad, Insane“ wurden gar Super-Mario-Masken angezogen. Wahrlich verrückt.

Im Innenbereich präsentierten derweil Crimfall aus Helsinki ihren epischen „Cinematic Metal“ – mit einer Kombi aus growlendem Sänger (Mikko Häkkinen) und den cleanen Vocals von Helena Haaparanta. In der Halle war es zu jenem Zeitpunkt zwar recht voll, doch schienen die Zuschauer trotz Blastbeats und Strobolights etwas bewegungsfaul. Gebangt wurde vornehmlich auf anstatt vor der Bühne.

Sehr viel tanzfreudiger gaben sich dafür die Fans von The 69 Eyes, die ab 15:35 Uhr auf der Zeltbühne loslegten und ihre größten Goth’n’Roll-Hits darboten: das düstere „Framed In Blood“, den Ohrwurm „Feel Berlin“ mit einem Gitarrensolo von Bazie, den Klassiker „Gothic Girl“, das schwere „Wasting The Dawn“, bei dem die Band in rotes Scheinwerferlicht getaucht wurde, sowie „Brandon Lee“, auf das ein Drumsolo von Jussi69 mit nacktem Oberkörper folgte. Zuletzt spielten die Hellsinki Vampires natürlich auch den Kracher „Lost Boys“, den so einige auswendig mitsingen konnten.

Foreseen zogen dagegen nicht so viele Leute an – aber jene, die die erste Reihe vor der Inferno-Bühne belegten, sorgten für gute Stimmung beim Auftritt der Thrash-Metaller. Es fiel dabei schwer, ein wenig Melodie bei all dem „Geknüppel“ auszumachen. Allerdings soll es Menschen geben, die Doublebass-Gewitter und Hardcore-Geschrei am Mikro einfach lieben.

Ein wenig „entspanntere“ Klänge tönten derweil aus den Boxen an der Hauptbühne, wo Mokoma mal wieder am Start waren – erst im letzten Jahr hatten sie das Tuska beehrt. Beim finnischen Gesang des bärtigen Frontmanns im Judas-Priest-T-Shirt wurden auch mal die Fäuste erhoben und Arme geschwenkt.

Red Death waren eigens aus Washington angereist, um den Inferno-Saal zu beschallen. Ein Glockenschlag läutete den Showbeginn ein. Die Bühne: passenderweise in rotes Scheinwerferlicht getaucht. „What’s up, Tuska? We’re Red Death!“, verkündete der glatzköpfige Sänger und Bassist, um in den folgenden 30 Minuten zusammen mit seinen Bandkollegen „Voll-auf-die-Fresse“-Mucke auf die Menge loszulassen – und eben dort bildete sich dann auch rasch ein kleiner Moshpit. Für die Musiker war es nach eigenen Aussagen der erste Ausflug nach Helsinki – und sie freuten sich über das schöne Wetter in der Stadt, obgleich sie drinnen spielen mussten.

Ganz andere Töne – nämlich sehr electro- und synth-lastige – offerierte Carpenter Brut ab 17:20 Uhr auf der Helsinki Stage: Die krachenden, treibenden Beats – sehr melodisch und nicht allzu düster – kitzelten auch hier einen kleinen Moshpit in der Zuschauermenge heraus. Mal wurde es metallischer, dann wieder elektronischer. Auf den Leinwänden erschienen kurze Videosequenzen. Zur musikalischen Live-Umsetzung teilte sich Mastermind Franck Hueso die Bühne mit Gitarrist und Drummer. Und bei „Beware The Beast“ vom aktuellen Album „Leather Teeth“ gesellte sich gar Mat McNerney hinzu, um jenem Song eine Stimme zu verleihen. Bei „Cheerleader Effect“ kam der Gesang hingegen vom Band. Abgerundet wurde die energiegeladene und gut besuchte Show mit einem Cover des Songs „Maniac“, den wohl so ziemlich jeder mitsingen konnte.

Ein großes Banner, viel Nebel und ein schier endloses Intro kündigten die Black-Metaller Emperor aus Norwegen an, die zur frühen Abendstunde die Hauptbühne belegen durften. Frontmann Ihsahn trug eine Sonnenbrille – mittlerweile lohnte sich das auch. Viel Bewegung gab es zu den schwarzmetallischen Klängen allerdings nicht auf der Bühne. Da dürften die Fotografen im Graben ein paar Mühen gehabt haben, abwechslungsreiches Bildmaterial während der ersten drei Songs zu ergattern. Live gespielt wurden u.a. „The Loss And Curse Of Reverence“ sowie das superschnelle „With Strength I Burn“, und wenn die Pause zwischen den einzelnen Songs zu lang wurde, gab es ungeduldige Emperor-Rufe von den Zuschauern. Unter diesen ward übrigens auch der The-69-Eyes-Frontmann Jyrki69 zu finden und auch die Insomnium-Jungs machten fleißig Fotos von der norwegischen Truppe.

Ein Highlight des zweiten Festivaltages dürfte der Auftritt von Hallatar gewesen sein – eine recht neue Doom-Metal-Band um Amorphis-Sänger Tomi Joutsen, Swallow-The-Sun-Gitarrist Juha Raivio und Ex-Him-Schlagzeuger Gas Lipstick. Sie spielten mit zwei zusätzlichen Live-Musikern – darunter Jaani Peuhu am Bass – unter der Zeltkuppel und sorgten dort mit Songs wie „My Mistake“ für Gänsehaut-Stimmung. Nicht unerheblich dazu bei trug Tomis abwechslungsreicher Gesang – mal guttural und bitterböse, mal clean und warm. Dass er die Songtexte als Gedächtnisstütze vor sich auf einem kleinen Pult liegen hatte, dürfte kaum aufgefallen sein und ist auch vollkommen in Ordnung. Hallatar ist schließlich ein frisches Nebenprojekt für ihn – und die Lyrics sind sehr komplex. Sie basieren auf Texten und Gedichten von Juhas 2016 verstorbener Lebenspartnerin Aleah Starbridge (Trees Of Eternity). Während des gesamten Auftritts hatten zwei Mädels am Bühnenrand schwarze Flaggen gehisst. Ansagen seitens der Band gab es so gut wie keine. Die Musik wirkte von ganz alleine. Da konnten die Grindcore-Band Feastem und Black-Rock’n’Roller Hexhammer auf der Inferno Stage sicherlich nicht mithalten.

Eine fette Show hatten Kreator ab 20:05 Uhr auf der Radio-Rock-Bühne zu bieten: aufwändige Bühnendeko, Feuer- und Nebelfontänen – dazu Kracher wie „Phantom Antichrist“ und „Flag Of Hate“. Frontmann Mille gab sich zwischendurch redselig: „I remember the moshpits at Tuska – they are very spectacular!“ Und später: „I will count till four, then I wanna see total mayhem at Tuska!“ Und dieses Chaos sollte er spätestens beim Song „Gods Of Violence“ erleben, als die Fans eine Wall Of Death in Angriff nahmen. Das Ganze von oben filmte eine Drohne, die nur deshalb über das Gelände schweben konnte, weil der Wind ein wenig nachgelassen hatte. Der Papierschnipselregen wurde dennoch in alle Himmelsrichtungen verteilt.

Da sich ein Großteil der Festivalbesucher den Auftritt von Kreator anschaute, ward bei Bombus publikumstechnisch nicht allzu viel gebacken. Immerhin machten die Leute vor der Inferno Stage wieder ordentlich mit – nach und nach wurde es dann auch voller. Schließlich lockten Bombus aus Schweden mit Heavy-Metal-/Hard-Rock-Tönen – vor drei Jahren hatten sie zuletzt auf dem Tuska gespielt.

Als letzte Band auf der Helsinki Stage spielten am Festival-Samstag die Death-Metaller At The Gates – ebenfalls aus Schweden. Auf der Setlist des Quintetts standen dabei Songs wie „At War With Reality“, das flotte „Under A Serpent Sun“, das einen Circle Pit ins Leben rief, sowie „The Chasm“ vom neuen Album „To Drink From The Night Itself“.

Ab 22:30 Uhr wurde es dann Zeit für den Headliner Gojira aus Frankreich, während Hallatar „nebenan“ am EMP-Stand noch ihre letzten Autogramme verteilten. Fast hätten Gojira nicht spielen können auf dem Tuska, berichtete Sänger Joe Duplantier im Verlauf der Show. Der Wagen mit dem gesamten Equipment hatte wohl einen Unfall auf der Autobahn – doch zum Glück konnte das Tuska-Team aushelfen. Die Fans mussten somit auch nicht auf Feuereinsatz und Nebelfontänen verzichten. Und es gab zur Freude aller den wohl größten Moshpit des Festivaltages.

Text: Lea Sommerhäuser
Fotos:
© Tuska Festival / Jesse Kämäräinen

www.tuska-festival.fi

14 Juli 2018

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