Dornenreich/Aethernaeum/Velnias (23.03.2016, Bochum, Rockpalast)

Dornenreich/Aethernaeum/Velnias (23.03.2016, Bochum, Rockpalast)

Im Rahmen ihrer „Gänsehaut statt Gänsemarsch“-Tour durch Deutschland und Österreich machten Dornenreich auch einen Zwischenstopp im Bochumer Rockpalast – allerdings nicht allein. Zur Verstärkung hatte das österreichische Trio die Berliner Musiker von Aethernaeum sowie Velnias aus Colorado, USA, mitgebracht.

Letztere Band übernahm ab 19.30 Uhr das Aufwärmprogramm – mit doomig-metallischen Klängen auf einer äußerst benebelten und nur in spärliches Licht getauchten Bühne. Während ihres gut halbstündigen Auftritts herrschte Velnias SG_L3252 2000bei den vier Musikern volle Konzentration auf die Musik. Generell schien der Instrumentalanteil höher als der Gesangsanteil – schon allein bis der erste (Schrei-)Gesang einsetzte, verstrichen einige Minuten. Der Übergang zwischen den Songs war dann recht fließend – es hätte im Grunde auch ein einziges langes Stück sein können. Doch die schwere, düstere Atmosphäre kam gut bei den Zuschauern an. Sie wirkten zwar anfangs noch ein wenig steif, hatten aber ihre volle Konzentration auf die Bühne gerichtet, wo hin und wieder auch die Haare flogen, und bedachten die Band am Ende mit einem warmen Applaus. Vonseiten der Musiker kam lediglich ein dezentes „Thank you“ zurück – mehr Worte wollte der Sänger an jenem Abend wohl nicht verschwenden. Aber gut, das machte die Band auch wiederum interessant.

Als nächstes waren die Musiker von Aethernaeum an der Reihe, die zu fünft auf der Bühne nicht allzu viel Bewegungsfreiraum hatten: Während Hendrik Wodynski in der hinteren Bühnenecke an seinem Schlagzeug von zwei „waldigen“ Aufstellern eingerahmt wurde, teilten sich Cellist Markus Freitag, die beiden Gitarristen Motte und Marco Eckstein sowie Sänger und Bassist Alexander Paul Blake die vordere Reihe – ohne dabei jedoch auf ausgiebiges Headbanging zu verzichten. AnfAethernaeum SG_L3450 2000angs hatte die Band mit ein paar kleinen, soundtechnischen Schwierigkeiten zu kämpfen, doch schon bald gab es auch von den Gitarristen die volle Riff-Dröhnung.

Passend zum „Nature Mystic Folk Black Metal“ – wie die Band ihren eigenen Sound nennt – ward die Bühne vornehmlich in grün-blaues Licht getaucht und wurde stets gut eingenebelt. Da konnten Songs wie „Die Stimme der Wildnis“, „Die Waldschamanin“ und „Der Baumpercht“ – bei dem Gitarrenmann Marco zwischendurch zur Schelle griff – vom aktuellen Album „Naturmystik“ erst recht ihre volle Wirkung entfalten. Aber auch der flotte Track „Heimreise (Ein Requiem)“, zum dem die Berliner ein Musikvideo veröffentlicht haben, kam an jenem Abend nicht zu kurz. Mit dem sechsten und zugAethernaeum SG_L3540 2000leich letzten Stück, „Waldkathedrale“, verabschiedeten sich Alexander Paul Blake und seine Mannschaft nach gut 45 Minuten schließlich von der Bühne. Sie ließen ein zufriedenes Publikum zurück, das später noch die Gelegenheit bekommen sollte, mit den Musikern am Merchandise-Stand ein wenig zu plaudern.

Als drittes eroberten schließlich die Headliner Dornenreich die Rockpalast-Bühne – in Anbetracht ihres 20-jährigen Jubiläums allerdings mit einer besonderen Show. Zunächst durften sich die Zuschauer über ein gut 20-minütiges Akustik-Set, danach über ein reguläres Metal-Set freuen. Bei ersterem ward das Schlagzeug noch mit einem großen, schwarzen Tuch bedeckt und Eviga (Gesang, Gitarre) sowie Inve (Violine) betraten allein die Bühne und verbeugten sich zur Begrüßung. Dann pflanzte sich Sänger Eviga mit seiner Akustikgitarre auf einem Stuhl nieder, während Inve neDornenreich SG_L3704 2000ben ihm sein Saiteninstrument ans Kinn presste. Zusammen boten sie den Zuschauern ein akustisches Hörvergnügen mit Songs wie „Meer“, „Im ersten aller Spiele“ sowie „Drang“.

Danach gab es eine mehrminütige Umbaupause – und schließlich enterte auch Schlagzeuger Gilvan die kleine Bühne, um fortan mit seinen Bandkollegen das „Black-Metal-Set“ zu performen. Und hier flogen nicht nur bei Eviga hin und wieder die Haare durch die Luft, sondern auch in der Menge. Der Sänger legte sich gar derart ins Zeug, dass schon beim vierten Song seine E-Gitarrensaiten rissen und das Instrument rasch ausgetauscht werden musste. Das ist wohl nicht zum ersten Mal passiert, zeigt aber, wie passioniert der Musiker seine Melodien spielt. Zum Besten gaben die Herren während ihres metallischen SeDornenreich SG_L3674 2000ts etwa „Flammenmensch“, bei dem die Bühne passenderweise in rotes Licht getaucht wurde, das ursprünglich akustische „Jagd“ und „Der Hexe flammend‘ Blick“.

Mit „Wolfspuls“ verabschiedete sich das Trio nach einer guten Stunde Spielzeit schließlich von der Bühne – doch natürlich setzten sofort die obligatorischen Zugabe-Rufe ein. Und diese sollten erhört werden. So kamen Dornenreich recht bald zurück auf die Rockpalast-Bühne, um noch „Erst deine Träne löscht den Brand“ sowie das krachende „Trauerbrandung“ darzubieten. Nur wenige Minuten nach ihrem Auftritt fanden sich die drei Musiker dann wie die Support-Bands am Merchandise-Stand ein, um noch ein wenig mit den Fans zu sprechen und den einen oder anderen Autogrammwunsch zu erfüllen.

Übrigens dürfen sich die Dornenreich-Fans freuen, schließlich verkündete Frontmann Eviga erst Mitte März den Arbeitstitel für ein mögliches neues Album: „Du wilde Liebe sei“. Man darf also gespannt sein und hoffen, dass „Freiheit“ doch nicht das für längere Zeit letzte Studio-Album von Dornenreich gewesen ist.

Text: Lea Sommerhäuser
Fotos: Sandro Griesbach

www.flammentriebe.com

28 März 2016

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