Das Ich: Südamerika Tourtagebuch

Das Ich: Südamerika Tourtagebuch

28.11. Nach einem schier ewigen Flug erreichen wir Mexico City von London aus wohlbehalten. Gemeinsam mit Mitgliedern von Icon Of Coil werden wir abgeholt und in einem fürstlichen Hotel mit riesigen Zimmern eingecheckt. Am frühen Abend gibt es leckere mexikanische Küche mit den Veranstaltern und fast allen Bands des morgigen Orus Festivals. Die Autogrammstunde am Abend danach dauert Stunden. Fast alle Bands sind dabei. Wir haben einen Riesenspaß und feiern gegen den Jetlag bis in die Morgenstunden im kultigen Club El Under mit dem The Complex Resident DJ Franc aus Los Angeles. Obwohl seine verkratzten, selbstgebrannten CDs laufend ausfallen, ist die Partystimmung der Mexikaner kaum zu bremsen.

29.11. Der Soundcheck soll bereits am Vormittag beginnen, zieht sich aber bis in den Nachmittag, weil Kabel und DI Boxen wahllos und unnummeriert immer wieder unkoordiniert neu gesteckt werden. Und die Nummern von der Stagebox stimmen auch nicht mit denen des Mischpultes überein. Dennoch, der Club ist riesengroß und unsere Vorahnungen erfüllen sich, als bereits bei den ersten Bands der Laden aus allen Nähten platzt. Über 2000 ausgehungerte mexikanische Fans feiern jede Band und sind bisweilen lauter als die gut proportionierte PA Anlage. Als wir dran sind und laut rufen „Como estais Mexico?“ wird der Lärm ohrenbetäubend. Das Orus Festival ist nach fast 10 Jahren Pause unsere Rückkehr nach Mexico. Nach einem regelrechten Feuerwerk – es gibt zwei Flammenwerfer links und rechts der Bühne – und gut 60 Minuten nach einem Set voller Das Ich Klassiker verlassen wir aufgedreht und glücklich die gut 3 Meter hohe Plattform der Bühne. Leider bleibt uns nur noch wenig Zeit mit unseren Fans, denn bereits in ein paar Stunden geht unser Flieger nach Los Angeles.

30.11. Meghan, eine Promoterin des seit gut 20 Jahren existierenden Der Bunker Club/The Complex holt uns am Flughafen ab. Die Fragen am Immigration Schalter sind wie gewohnt bohrend. Man fühlt sich unmittelbar terrorverdächtig. Unser Motel in Glendale befindet sich in relativer Nähe zum Club. Das Konzert findet noch direkt am Abend statt – die Warteschlange vor dem Club wächst schon am Nachmittag während des Soundchecks. Die Bühne ist im Vergleich zum Konzert in Mexico relativ klein. Dennoch wird der Auftritt im Ausverkauften The Clomplex zu einem wahren Siegeszug. Fast jeden Song singen die Amerikaner mit. Und als wir die neuen politischen Spannungen in der Welt thematisieren und die internationale Gothicfamily als das Rolemodel der grenzenlosen globalen „einen“ Welt thematisieren, brechen die Amerikaner in endlose Begeisterungsstürme aus. Nach zwei Zugabenblöcken kehren wir ziemlich geplättet aber umso glücklicher in den Backstage zurück. Unser überdimensionaler Merchandisekoffer ist bereits restlos ausverkauft, obwohl noch drei Lateinamerikashows auf uns warten.während des Soundchecks. Die Bühne ist im Vergleich zum Konzert in Mexico relativ klein. Dennoch wird der Auftritt im Ausverkauften The Clomplex zu einem wahren Siegeszug. Fast jeden Song singen die Amerikaner mit. Und als wir die neuen politischen Spannungen in der Welt thematisieren und die internationale Gothicfamily als das Rolemodel der grenzenlosen globalen „einen“ Welt thematisieren, brechen die Amerikaner in endlose Begeisterungsstürme aus. Nach zwei Zugabenblöcken kehren wir ziemlich geplättet aber umso glücklicher in den Backstage zurück. Unser überdimensionaler Merchandisekoffer ist bereits restlos ausverkauft, obwohl noch drei Lateinamerikashows auf uns warten.
1.12. Off Day und Shopping für die Lieben zu Hause. Nachts dann die Ernüchterung. Ich möchte am nahegelegenen Drive-In Schalter eine Flasche Mineralwasser kaufen. Das wird mir mit der Begründung ausgeschlagen, die meisten Überfälle würden von Fußgängern verbrochen und deshalb gäbe es nur noch Verkäufe an Autofahrer. Ich muss mir ein Taxi rufen, um meine Bestellung zu bekommen. Verrückte US Welt. Am nächsten Morgen geht’s direkt zum LAX. Unser armenischer Chauffeur erzählt uns auf dem Weg von Glendale zum Flughafen von den Schwierigkeiten der Integration in Kalifornien und der amerikanischen Sichtweise auf die neuen Flüchtlingsströme in der Welt. Wir verabschieden uns artig von den USA und sind eigentlich ganz froh, wieder nach Lateinamerika zu reisen. Der Flug nach Argentinen dauert mit Aufenthalt ganze 20 Stunden und inklusive der Zeitverschiebung einen Tag und eine Nacht. Wir fliegen von Los Angeles über Lima und Santiago de Chile in das wirtschaftlich so gebeutelte Argentinien. Unterwegs erfahren wir von dem neuerlichen Terroranschlag in Los Angeles.

2.12. Unser Veranstalter ist der Betreiber der berühmten Gothic BA Parties. Gemeinsam mit seiner Frau und dem Promoter und Kneipier Gustavo kümmert er sich rührend um uns und zeigt uns die Metropole am Rio de la Plata. Auch hier hatten wir schon einmal vor fast einem Jahrzehnt gespielt. Das Konzert am Abend ist gigantisch. Zwar hat der Club eigentlich keinerlei Licht, aber das Blitzlichtgewitter von über dreihundert Handies lässt den Club fast taghell erscheinen. Auch hier singen die Argentinier fast jeden unserer bekannteren Songs mit. Nach einer ausladenden Zugabe beginnt eine Aftershowparty von der wir uns leider bald verabschieden müssen, denn am nächsten Morgen wartet bereits der Flieger nach Chile.
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3./4.12. In Santiago de Chile können wir uns erst einmal ein wenig erholen. Eine nächtliche Party im berühmten Blondie Club und eine Autogrammstunde sind unser Programm des Tages. Am nächsten Tag finden wir uns bereits gegen 13:00 im Club ein, um die Tonprobe zu absolvieren. Das Blondie ist laut eigener Angaben der professionellste Club ganz Lateinamerikas. Und in der Tat: Unzählige überdimensionale LED Screens und eine bombastische Soundanlage lassen uns auf den Abend hoffen. Als wir auf die Bühne kommen, begrüßen uns gut ein Tausend verrückte Chilenen im Club und winken mit chilenischen Fahnen auf dessen weißen Grund unser Bandlogo gedruckt ist. Die Stimmung ist atemberaubend und wir intonieren sogar Songs, die normalerweise nie auf unserer Setliste stehen. Die Stimmung ist atemberaubend. Nach dem Konzert findet noch eine Afterparty statt. Der Flug nach Perú wird am nächsten Tag eine Tortur.

5.12./6.12. Die Hauptstadt von Lima an der Nordküste Lateinamerikas wirkt beim Landeanflug ein wenig bräunlich. Lima ist im Vergleich zum reichen Chile infrastrukturell weit im Hintertreffen. Der Verkehr in der Millionenstadt ist Chaos pur und erinnert mich ein wenig an Sao Paulo in Brasilien. Am vergitterten Kassenhäuschen prangt ein Schild mit einer durchgestrichenen Pistole. Hier gab es diesbezüglich in der Vergangenheit schon Missverständnisse, klärt mich der Clubbesitzer auf. Nachdem wir einen einigermaßen passablen Soundcheck hingelegt haben, fahren wir ins Hotel um uns für das Konzert fertig zu machen. Das Hotel ist angeblich nur 1 km vom Club entfernt – Die Fahrt dauert im Stau fast zwei Stunden. Doch zu Fuß will uns niemand durch die Gassen der Vorstadt Perús gehen lassen. Im Club erreicht uns ein panischer Anruf des Veranstalters. Eine bewaffnete Polizeirazzia hat den Clubbesitzer und sein ganzes Personal festgesetzt. Wahrscheinlich geht es um Drogen- oder Waffenhandel. Zum Glück konnte der Techniker unsere Equipment und unseren Backdrop noch aus der Gefahrenzone bringen. Nach vielen Stunden der Krisengespräche entscheiden wir uns am morgigen Nikolaustag in einer anderen Venue bereits Nachmittags drei Stunden vor unserem Flug ein Ersatzkonzert zu spielen. Das kommunale Jugendzentrum hat zwar keine seperate Bühne aber dennoch wird der Auftritt eine ausgelassene Abschlussveranstaltung unserer Lateinamerikatour. Als wir wenige Stunden später im Flieger nach Madrid sitzen, erscheint uns bereits alles wie ein Traum. Wir können es kaum erwarten wieder nach Lateinamerika zu reisen. Hasta pronto las americas!

Bruno Kramm

19 Januar 2016

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