Enter Tragedy: Furchtbare Wahrheiten

Enter Tragedy: Furchtbare Wahrheiten

Mit dem Debutalbum “Anthropozän” lässt “Enter Tragedy” ein wuchtig-brutales Lebenszeichen vom Stapel laufen.
Die Band aus dem finsteren polnisch-sorbisch-deutschen Ländereck präsentiert zu den morbiden und depressiven Texten ein nicht minder abseitiges und negatives Klangbett, aus dem die Albträume einer verdammten Generation stammen. Ein Gespräch ohne jeden Hoffnungsschimmer.


Antropozän – ihr betrachtet ja bereits im Intro die menschliche Zivilisation als gescheitert. Woher rührt diese Sichtweise?

The Chosen Pessimist: Die vielen Gründe würden an dieser Stelle leider den Rahmen sprengen. Aber ich denke, dass es eine sehr realistische, statt wie viele meinen, pessimistische Sichtweise ist. Man müsste schon ohne Augen und Ohren durch die Welt gehen um das anders zu sehen. Hoffnung und Glaube sind natürlich Faktoren die das Bild verfälschen. Aber sobald man diese außer Acht lässt, offenbart sich die Realität. Ich denke das Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit ist uns zum Verhängnis geworden, deshalb regiert das Nach uns die Sintflut Prinzip. Ich vergleiche es gerne mit einer Raststättentoilette. Kaum einer würde seine Toilette zu Hause so hinterlassen. Wir stecken mitlerweile einfach zu tief in der Scheisse und es wird Zeit, dass Jemand runterspült. .

Das Album ist ein famoses Debut mit einem sehr druckvollen Sound. Wie konntet ihr als Newcomer die Messlatte gleich so hoch hängen? .

TCP: Nach Vertragsunterzeichnug bei Danse Macabre gab es für uns nur die Option 110 Prozent zu geben, da sich solch eine Gelegenheit nicht jeden Tag bietet. Bruno Kramm hat zudem produktionstechnisch das Bestmögliche herausgeholt. Aber ich denke, dass in Zukunft noch einiges mehr geht, vorallem in Hinblick auf neue Songs. An Ideen mangelt es jedenfalls nicht.
Wie kann man sich die Show live vorstellen?

Wie visualisiert ihr Eure Texte?

TCP: Vorstellen ist schwierig. Das muss man schon mit eigenen Augen sehen. Wir arbeiten sehr eng mit einem Profi zusammen, der Requisiten für Geisterbahnen in ganz Europa herstellt. Wir besprechen gemeinsam unsere Ideen und dann wird geguckt ob und wie sie realisierbar sind. Die Gespräche gestalten sich mitunter als sehr witzig. Da gab es diese eine Szene in der unsere Keyboarderin einen Kinderwagen mit einem toten Baby auf die Bühne schieben sollte um dann während der Show aus seinem offenen Kopf zu naschen. Die Streitfrage war dann natürlich was hineinkommen soll, da jeder was abhaben wollte. Geschmäcker sind halt verschieden. Aber grundsätzlich ist es uns wichtig, dass auch Genre fremde Konzertbesucher unterhalten werden. Und wenn nicht, dann doch wenigstens den ein oder anderen Alptraum mit nach Hause nehmen können, auch wenn viele Stimmen sagen, dass man heutzutage die Menschen kaum noch schocken kann. Als ich jedoch vor ein paar Monaten die „The Human Centipede“ Reihe sah, wusste ich sofort: Da geht noch was. .

Warum singt ihr abwechselnd in deutsch und englisch?

TCP: Der größte Teil der Lyrics ist auf Deutsch und das wird auch in Zukunkft so bleiben, da wir uns damit am besten ausdrücken können und unsere Herkunft auch nicht verleugnen wollen. Jedoch verlangen manche Melodien nach etwas sagen wir mal weicheren Worten. Zudem bringt es zusätzlich Abwechslung in die Geschichte. Für unser nächstes Release haben wir zum Beispiel einen spanisch singenden Künstler in der Hinterhand. Da bin ich schon sehr gespannt.

Auf dem Song Hypnotikum hört man einen Gaststsänger. Wie kam es dazu? .

TCP: Bei Hypnotikum handelt es sich um einen Song der Band Вad Time Stories Ich spielte dort ein Jahr lang Bass. Die Hin und Rückkfahrten zu den Proben betrugen jedoch zusammen sechs Stunden, was auf Dauer nicht machbar war. Deren einfaches und direktes Songwriting hat mich fasziniert und gro゚e Spuren auf Anthropozän hinterlassen. Aus Dank und Erinnerung an diese Zeit resultiert dieses Cover. Ich schickte es damals Muzl, dem Sänger von Вad Time Stories und konnte ihn als Gastssänger gewinnen was die Sache perfekt abrundete. .

Wie sehr liegt Euch orchestraler Pathos als Gegengewicht und beinharten Stakkatoriffs?

TCP: Das ist richtig. Wir haben alle einen gewissen Hang zur Dramatik. Ich finde es wichtig, dass sich der Refrain von der Strophe abhebt. Aber nicht nur minimalistisch vor sich hin plätschernd sondern mit Pauken und Trompeten. Unsere Keyboarderin Malice hat einen großen Einfluss darauf. Wenn sie gekonnt hätte, wären auf Anthropozän noch gefühlte 100 Keypoardspuren mehr.

Wie würdet ihr die verschiedenen Charaktere in der Band beschreiben?

TCP: Enter Tragedy bestehen aus Alter Egos. Jeder schlüpft dazu in eine Rolle, die in gewisser Weise einen Teil seiner eigenen Persönlichkeit wiederspiegelt. Privat sind wir sehr unterschiedlich, da ist vom Neurotiker zum Choleriker alles vertreten, was die Sache nicht immer einfach macht. Aber vielleicht ist es gerade diese gefährliche Mischung die im Ofen das Feuer schürt.

19 Januar 2016

Kommentare sind geschlossen.